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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
Page - 534 -
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Page - 534 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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534 „Trudenfnß" gegen die „Trüben" und das „Alpdrücken" bemalt, das nach den reicheren und schwereren Mahlzeiten der vorangehenden Festzeit in diesen Nächten öfter sich einstellt. Im Trudenbannen sind abermals Reste des altgermanischen Volksglaubens erhalten, denn „Thrudr" war der Name einer altdeutschen Walkyre. Die Faschingsfeier beginnt bereits den Festkreis der großen Frühlings- (Oster-) seier in ähnlicher Weise als Vorläuferin zu eröffnen, wie die erwähnten Vorspiele und Vorfeierlichkeiten im November und December den Weihnachtsfestkreis. Ein rechter Winter, ein rechter „Fasching" heißt es im Volksmunde. Ein „weißer" Fasching (das heißt mit Schnee) wird gern gesehen, weil er nach der alten Bauernregel „grüne Ostern", also baldigen Frühling bedeutet. Vormals wurde auch die Faschingszeit, besonders im lebens- uud genußkräftigen Egerlaude und auf dem reichen Getreide- und Hopfenboden an der Mittel-Eger, im Aubach- und Goldbachgebiete des Saazerganes, bei den regsam froh- blütigeu Erzgebirgen:, im gesegneten Gelände an der Nieder-Elbe, wie im Leipa- und Jeschken-Jsergau gern zu allerlei Spielen, Schwänken und Mnmmentänzen benutzt. Einzelne Kameradschaften gingen abends in allerlei Maskeraden in die ihnen bekannten „Rocken"- und „Hutzeu"-Stubeu (Hutzeu — besuchen gehen, Saazergan) und führten Faschingsspäße auf. Der auf die Bauernschaft auch der fruchtbarsten Gebiete in neuerer Zeit stetig mehr drückende Ernst der wirthschaftlichen Übergangszustände, die Auflösung des patriarchalischen Betriebes, das Eindringen des modernen berechnenderen Verkehrs- lebens in die Dorfschaften, kurz die gesammte neue, dem alten charakteristischen Volksleben wenig günstige Cnltureutwickluug, welche die frischnatürliche Empfänglichkeit, schlicht- kräftige Gennßfrende und Naivetät beeinträchtigt, hat auch diesen alten Faschingsspielen nun fast allenthalben ein Ende bereitet. Selbst die eigentlichen drei Haupttage, der Fasching-Sonntag, -Montag und -Dienstag verlieren immer mehr von ihrer einstigen volkstümlichen Bedeutung. Maskerade, Tanz und gute Bissen sind von jeher die wesentlichen Kennzeichen der Fastnacht auch in Deutschböhmen gewesen. Der Bauer mußte für Rauchfleisch uud Würste, die Bäuerin rechtzeitig für gute „Butterkrapfen" sorgen, um die „Maschkara" (Egergebiet) bei ihren Umzügen damit zu betheilen. Im Riesengebirge (und zwar in Nieder- und Ober-Hoheuelbe und weiter hinein ins Gebirge) ziehen noch immer die sogenannten „Plnmpa-Männer" (eine Gesellschaft ver- mummter Stroh-, Bändermänner und dergleichen), mit blechernen Kuhschellen (Plumpa- Glockeu) behängt umher, um in den Häusern unter Musikbegleitung zu tanzen und dann Gaben einzusammeln oder mit List davonzutragen, was sie an Speise und Trank erlangen können. In Kaaden an der Mittel-Eger heißt dieses Maskenschwärmen „Gossotnen" (in den Gassen herumstreichen). Die Hauswirthinnen mußten dabei scharfe Wacht halten.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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