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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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535 sonst wurde ihnen leicht die Bratpfanne sammt dem Braten aus der Herdröhre davon- getragen und die Beute unter Halloh vertheilt. Eine Hauptgestalt unter den von Haus zu Haus ziehenden Masken ist in fast allen Gebieten, besonders im Getreideland, der charakteristische „Strohbär" (Sinnbild des gezähmten Winters und Hindeutung auf den Osterfestkreis), den ein Treiber am Strohseil oder Strick in die Gehöfte führt. Die Bäuerin sucht ihm eifrig eine Handvoll Erbsenstroh vom Leibe zu rupfen, um daraus den Hühnern Nester zu bereiten, worauf sie bald und fleißiger Eier legen (erstes Erwachen des neuen Naturlebens zum Lenzbeginn). Auch der alte derbe „Hanswurst", der originelle „Schnappesel," der jedoch zuerst in der Zeit der „Zembern" auftauchte, „der Hausirjude" und die „Aschenbraut" (Ostböhmen) waren unter den volksthümlichen Faschingsfiguren meistens zu treffen. Beim Fastnachtstanz in den Dorfwirthshäusern müssen die Bäuerinnen und Mädchen recht hoch springen, damit Gerste, Hafer, Flachs, Hopfen n. f. w. hoch wachsen. Im Egerlande beginnt am Fastnachtsdienstag das sogenannte „Schlägeln", und die Mädchen müssen dabei das „Schlägelgeld" bezahlen. In den Mittelstädten entwickelte sich das Maskentreiben in den letzten Jahrzehnten mitunter zu großen, hier und da selbst künstlerisch ausgestatteten Maskenzügen und Maskenschlittenfahrten, die, wie zum Beispiel jene in Töplitz, sich eines großen Rufes erfreuten. Erwähnt sei noch das einst ebenfalls in den meisten Gegenden geübte „Fasching- begraben". Besonders bemerkenswerth ist das „Jagen des wilden Mannes" in Schlnckenan (Nordböhmen), das ebenfalls als „Faschingbegraben" aufgefaßt wird, jedoch eine tiefere culturgeschichtliche und natursymbolische Bedeutung und Herkunft hat. Die Tödtung des „wilden Mannes", der durch die Straßen gejagt, endlich gefangen und von einem eigens dazu bestellten „Scharfrichter" der Form nach vom Leben gebracht wird, indem dieser eine dem Vermummten anhängende mit Blut gefüllte Blase durchsticht, deutet natur- symbolisch die Fällung des Winters und culturgeschichtlich den Sieg der Cultur an, welchen die deutschen Bauern- und Bürgercolonisten in diesem einst so wilden, rauhen, wenig frucht- baren Waldland durch ihre Tüchtigkeit errungen haben, wo es einst auch noch wirkliche „wilde Männer" und wilde Naturgewalten (Lindwurmsage, Trauteuau, Riesengebirge n. s. w.) zn bändigen gab. Das „Wintertödten" ist nach altdeutschem Volksbrauch seit langem in ganz Deutsch- böhmen bekannt und geübt. Die Volkspoesie hat den Kampf des Winters mit dem Sommer, der im März in der Regel am meisten zur Erscheinung kommt, mit so zahlreichen, oft sehr sinnigen und dramatisch lebendigen Darstellungen, Spielen, Auszügen, Liedern n. s. w. ausgestattet, daß er reichen Stoff für eine eigene Literatur bildet. Fast alle Gebräuche des Frühjahrs bis zum Ostertag, dem Auferstehungs- und Siegesfest des Frühlings, beziehen sich auf diesen für das Landvolk allerdings besonders bedeutsamen Naturvorgang:
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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