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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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588 Die Eltern der Braut folgen geraume Zeit später nach. Von allen Seiten des Dorfes strömen Zuschauer heran. Die Burschen, welche mit der abziehenden jungen Hausfrau aufgewachsen sind, wollen anzeigen, wie ungern sie die Jugendfreundin verlieren, und sperren am Ende des Dorfes durch aufgehäufte Gegenstände den Fahrweg. Kommt nun der Kammerwagen bis zu dieser Stelle, so erlegt der Pferdelenker ein Stück Geld, das die junge Hausfrau ansehnlich vermehrt; darauf wird die Sperre weggeräumt und die Burscheu begleiten die Jugendfreundin eiue Strecke. Auf dem Wege des festlichen Zuges müssen gewisse Sitten beobachtet werden. Hört man zuin Beispiel zum ersten Mal einen Kukuk rufen, so greift Jedermann in den Sack und rührt das dort befindliche Geld anf zum Zeichen, wie sehr man die Vermehrung des Wohlstandes der jungen Hausfrau wünsche. Hört man eine Wachtel schlagen, so zählt man die Schläge; ihre Anzahl bedeutet die Zahl der Kinder des juugeu Ehepaars. Die Getreide-Art, in welcher die Wachtel schlägt, wird während des ganzen Lebens des Ehe- paars günstige Ernten liefern; schlägt die Wachtel auf einem Rain, so bedeutet das Jahre des Mißwachses uud Unfälle mit Kindern. Hört man zum ersten Mal donnern, so muß die junge Hausfrau den nächsten schweren Gegenstand fassen und zu heben suchen, was ihr Stärke und Gesundheit zu schaffen vermag. Den Eingang in das Dorf des Mannes versperren wieder die Mädchen des Ortes, scheinbar erzürnt, daß einer von ihnen ein Gatte entgangen und ein Jugendfreund aller durch eine Fremde entzogen worden ist. Ein Tribut öffnet wieder dem Zuge den Eingang. Die junge Hausfrau ladet nun alle Mädchen in das Haus ihres Mannes; sie schließen sich dem allgemeinen Zuge au. Einige hundert Schritte vom Hause erwartet der junge Gatte die Heranziehenden. Er küßt sein Weib und führt es bis ans Hausthor. Da begrüßt es Musik, die Eltern des Mannes sprengen Weihwasser über das junge Ehepaar und führen es in die Stube. Die Begleitung des Zuges, Burschen und Mädchen, beginnt nun einen kurzen Tanz; dann folgt eine sehr reichliche Bewirthung, die bei festlicher Musik bis spät in die Nacht hinein danert. Schließen wir mit den Volksbräuchen bei den letzten Dingen des menschlichen Lebens: beim Sterben, Aufbahren, Begraben und Er innern an die Abgeschiedenen. — Liegt eiu Mensch im Sterben, so wird im Sterbestübchen ein Handglöcklein geläutet, damit die scheidende Seele, gelockt durch die schwebenden Töne, noch einige Augenblicke in der Nähe des erstarrenden Leibes verweile. Die Verwandten und Nachbarn stehen betend herum, nur vom Weinen der Angehörigen unterbrochen. Ist der Tod unverkennbar einge treten, so wird das Glöcklein weiter und weiter weg vom Entseelten, dann zur Thüre hinaus und einmal um das Haus herum geläutet, damit man so die unwiderruflich scheidende Seele noch auf ihrem Abschiedswege einige Augenblicke begleite. Erst dann
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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