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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Volume 15
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320 war auch der trotzige Sinn des Adels gebrochen; fortan wendete er sich den schönen Künsten mehr zu, als es seine Vorfahren thaten, und seine jetzigen Sitze zeigten Pracht und Lnxns. Sowie er sich früher die Fortschritte des Westens in der Wehrhastigkeit aneignete, ebenso machte er sich bald die feinen Fortschritte wälscher und französischer Baumeister zu eigen; seine Wohnungen wurden weitläufiger, bis er sich schließlich den jetzigen Wohnuugsverhältuisseu zuneigte. Keine Wälle, keine Gräben umringen seine Wohnung, auch ist dieselbe kein trotziger Bau, sondern ein luftiges, feines, gemüthliches Haus, gewöhnlich von schattigen oder blnmenreicheu Aulagen umgeben. Das ist im Kurzen der Entwicklungsgang der böhmischen Königs- und Adelssitze. Die ersten historisch bekannte» Burganlagen Böhmens erscheinen bereits in der heidnischen Periode. Wir erwähnen nur einen alten Herzogssitz, welcher gewiß noch aus der heiduischeu Zeit stammt, nämlich Alt-Kaurim oberhalb der Stadt Kanrim. Die weitläufige Anlage dieser Herzogsburg unterscheidet sie von den Beamtenburgen des XII. und XIII. Jahrhunderts. Man findet in Böhmen eine große Anzahl ähnlicher Anlagen, welche vom Volke Hradiste (— Burgplatz, vom Worte kracl — Bnrg) benannt werden. Einige von ihnen sind mit gewaltigen Erdwällen umgeben und umfassen einen großen Raum. Einen Übergang von diesen großartig angelegten Wallbnrgen, deren Gründnngs- zeiten wahrscheinlich Jahrhunderte weit von einander liegen, zu den einfachen befestigten Wohnorten bildeten solche Burgen, welche wir mit den späteren S täd ten vergleichen könnten. Sie werden auch von unseren älteren Chronisten urbes genannt, während sie ihrer Befestigung wegen auch eastra heißen. Sehr oft ist auch auf ihnen die in den ersten Zeiten des Christenthums gegründete Kirche verblieben. Ein Beispiel davon ist die sonst (1056) Lsteni, jetzt Hradiste benannte Burg, deren Standpunkt man sehr gut vom Bahn- wagen betrachten kann, wenn man die Sazava entlang der Station Cercan entgegenfährt. Eine überans steile, oben ziemlich geräumige Erdzunge wird von der Hochebene dnrch einen gewaltigen, nun schon verflachten, Erdwall getrennt und in der Mitte steht die alte St. Clemeuskirche. Eine ähnliche Lage hat Alt-Pilsen (bei Plzenec) mit seiner uralten Rundkapelle, Prachin (bei Horaziiiowitz), und ähnlich sind die Anlagen bei Levyhradee und Budec und der gewaltigen Burg Drevic (bei Lauu), woselbst überall die Kirchen, der einzige Rest der alten Ansiedlnng, geblieben siud. Wallburgeu der kleinsten Dimension waren die von den Beamten des Herzogs bewohnten Sitze. Sie waren auf steilen Erdznngen angelegt und durch einen gewaltigen Erdwall von der Hochebene getrennt, aber ihr Umfang glich vollkommen den spätereil Steinburgen, welche mitunter auch in die älteren Anlagen hineingebaut wurden. Bis jetzt siud derartige Anlagen erhalten in Wratzlau (Vratslav bei Hoheumant), Netolitz,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Volume 15
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (2)
Volume
15
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
16.07 x 22.35 cm
Pages
708
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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