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zu Blatna und Noth Lhvta (bei Sobeslan), welche mit dem sie umgebeudeu Wasserspiegel
reizende Bilder gewähren.
Das Verlangen nach hochgelegenen Wohnsitzen ist auch bei solchen Burgen
maßgebend, welche nach den Husiteukriegen entstanden. So zum Beispiel ist die bei
Klösterle gelegene Schönburg, nach dem Jahre 1431 von Pirschenstein aus gegründet,
auf einem hohen Berge gelegen, hat einen lange dauernden, aber nicht beschwer-
lichen Zugang und zeigt trotz der nicht unbedeutenden Befestigungswerke schon Sinn
für Bequemlichkeit. Beiläufig denselben Charakter hat auch das im XV. Jahrhundert
oberhalb Böhmisch-Kamnitz auf dem Schloßberge gegründete Schloß, sowie die fast
gleichzeitig erbaute Burg Novyhrad (oberhalb der Kletschkamühle) bei Solnitz. Hoch-
gelegen, aber klein ist die Burg Öltank bei Trebnitz, während die Ronburg bei
Drum hohe Lage mit Wohnlichkeit verbindet. Ähnlich gehalten wie letztere ist auch
der ältere Theil der im Jahre 1478 gegründeten Burg voubravskä kvra (Neuschloß)
bei Teplitz. Das zu Ende desselben Jahrhunderts gegründete Schloß Pravda bei Zittolib
ist ein Mittelding zwischen älterer Burg und neuerem Schloß, da hier den Wohn-
räumen ein bedeutender Theil der Burgstätte zugewiesen wurde und die Befestigungswerke
sich auf den Wallgraben und eine einfache, die dreieckige Burg einschließende Ringmauer
ohne Vorwerke beschränken. Sinn für Wohnlichkeit findet man auch bei Blatna, Neuschloß
(bei Zittolib), Krakowec (bei Rakonitz), Lipnitz und Vorlik (bei Humpoletz), welche
damals entweder gegründet oder aus älteren Anlagen umgebaut wurden. Die Burg Lititz
(bei Senstenberg), das Werk Georgs von Podebrad, ist zwar eine ältere Anlage, verdankt
jedoch seine jetzige Gestalt größtentheils diesem bedeutenden Herrscher (1468); der Kern
derselben sind zwei einander gegenüberstehende viereckige und thurmartige Wohngebäude,
welche mit hohen Mauern verbunden und von einem viereckigen Thurm beschützt sind.
Das äußere Thor ist das schmuckvollste von allen böhmischen Burgthoren, leider aber in
einem traurigen Zustande der Verwahrlosung. Dieselbe Combination von zwei thurmartigen
Gebäuden zeigen auch Lischua bei Bistritz, von den Sternbergen an der Stelle einer älteren
Beste erbaut, und das hochgelegene und weithin sichtbare Schloß Hoch-Chlnmee, welches
dem im XVII. Jahrhundert geplanten Umbau in ein kasernenartiges Gebäude glücklich
entging.
Einige von reichen Landherren dieser Zeitperiode herrührende Anlagen beweisen ein
deutliches Bestreben, die bisher beliebte hohe, schwer zugängliche Lage durch bedeutende
Außenwerke zu ersetzen. Zwei dieser Anlagen stammen von Püta von Riesenberg
(gestorben 1504), die beiden anderen von Wilhelm von Pernstein (gestorben 1521); das
von ersterem gegründete Schloß Schwihau (bei Klattau) entstammt jedenfalls einer älteren
Anlage, verdankt jedoch seine jetzige Gestalt größtentheils diesem baulustigen Herm.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch