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Erfordernisse billig zu erwerben, die sonst theueres Geld kosteten. Um nur Eines zu
erwähnen, sei auf den billigeren Preis des Glases hingewiesen, welcher nun ermöglichte,
luftigere und hellere Wohnungen zu schaffen. Die hochgelegenen und mühevoll erreichbaren
Burgen wurden aufgelassen und verfielen. Zwar bleiben noch manche bewohnt, aber neue
Wohngebäude werden in ihnen, selbst in der Vorburg, aufgeführt (Bösig, Tocnik), einige
erhalten sich nur noch als Zufluchtsstätten zur Zeit des Krieges. Der Adel will jetzt
bequem wohnen und baut fleißig neue Schlösser. Em Graben verbleibt wohl, aber nur,
um deu Wohnsitz gegen Räuber zu schützen. Indessen genügen auch einfache Herrenhäuser
(sickla), welche bei dem Meierhofe erbaut werden. Das letzte hochgelegene Schloß wurde
bei der Gründung von Neustadt a. M. zu Anfang des XVI. Jahrhunderts erbaut.
Die neuen Wohnbauteu des reichen, prachtliebenden Adels sind im einheitliche»
Stil der Renaissance geschaffen und auch mehr oder minder erhalten, nur die bei Klösterle
gelegene Felixburg wurde iu der neuesten Zeit vollständig dem Verfall überlassen. Das
älteste Bauwerk dieser Art ist das durch seine bizarre Form interessante Lustschloß Steru
bei Prag, welches Erzherzog Ferdinand im Jahre 1555 sammt dem umliegenden Thier-
garten gründete und durch wälsche Künstler ausschmücken ließ. Der Grundriß des
Gebäudes ist ein sechseckiger Stern, und die schwierige Aufgabe, das Innere zweckmäßig
und künstlerisch einzutheilen, ist vom Banmeister in genialer Weise gelöst worden. In
gewisser Hinsicht ist dieses Schloß ein Vorgänger der jetzigen Adelssitze und der erste
Versuch, eiueu Wohnsitz inmitten von Parkaulagen zu gründen. Bald entstanden iu
Befolgung dieses Princips zahlreiche,,Lusthäuser", welche der Adel in den Gartenanlagen
bei seinen Schlössern gründete.
Die nächstältesten großen Wohnhäuser dieser Periode sind Kacerov bei Raduitz
uud Mühlhausen an der Elbe. Mit ihren Gräben und Riugmaueru erinnern sie an die
alten Burgen, während die Eintheiluug des Wohngebäudes mit der entweder schon
verblichenen oder ganz eingegangenen Zierde der Wände neuen Einfluß verräth. Der
Gründer beider Schlösser war der Tiroler Florian Grießbeck von Grießbach, eine bedeutende
Persönlichkeit unter der Beamtenschaft Ferdinands I., welcher zu dem Bau italienische
Meister verwendete. Bald gab es im Lande eine Menge wälscher Baumeister, so daß man
jeden Baumeister mit dem Namen Vlach (Wälscher) benannte und der Renaissancestil bei
Wohnbauten der allein herrschende wurde. Ja, die Sucht, moderne Wohnhäuser zu besitzen,
bewirkte eine förmliche Bauwuth, oft mit Vaudalismus verbunden, schuf aber mitunter
prachtvolle Kunstwerke. Das im Jahre 1573 von Vratislav von Pernstein erbaute
Schloß Leitomischl ist seinem ganzen Stil nach einheitlich gehalten und bis auf die Gegen-
wart unversehrt geblieben. Diese Pernsteiu'sche Gründung wird jedoch weit überflügelt vou
den Werken der letzten Rosenberge. Das von Wilhelm von Rosenberg in den Jahren
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch