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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 342 -
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342 Erfordernisse billig zu erwerben, die sonst theueres Geld kosteten. Um nur Eines zu erwähnen, sei auf den billigeren Preis des Glases hingewiesen, welcher nun ermöglichte, luftigere und hellere Wohnungen zu schaffen. Die hochgelegenen und mühevoll erreichbaren Burgen wurden aufgelassen und verfielen. Zwar bleiben noch manche bewohnt, aber neue Wohngebäude werden in ihnen, selbst in der Vorburg, aufgeführt (Bösig, Tocnik), einige erhalten sich nur noch als Zufluchtsstätten zur Zeit des Krieges. Der Adel will jetzt bequem wohnen und baut fleißig neue Schlösser. Em Graben verbleibt wohl, aber nur, um deu Wohnsitz gegen Räuber zu schützen. Indessen genügen auch einfache Herrenhäuser (sickla), welche bei dem Meierhofe erbaut werden. Das letzte hochgelegene Schloß wurde bei der Gründung von Neustadt a. M. zu Anfang des XVI. Jahrhunderts erbaut. Die neuen Wohnbauteu des reichen, prachtliebenden Adels sind im einheitliche» Stil der Renaissance geschaffen und auch mehr oder minder erhalten, nur die bei Klösterle gelegene Felixburg wurde iu der neuesten Zeit vollständig dem Verfall überlassen. Das älteste Bauwerk dieser Art ist das durch seine bizarre Form interessante Lustschloß Steru bei Prag, welches Erzherzog Ferdinand im Jahre 1555 sammt dem umliegenden Thier- garten gründete und durch wälsche Künstler ausschmücken ließ. Der Grundriß des Gebäudes ist ein sechseckiger Stern, und die schwierige Aufgabe, das Innere zweckmäßig und künstlerisch einzutheilen, ist vom Banmeister in genialer Weise gelöst worden. In gewisser Hinsicht ist dieses Schloß ein Vorgänger der jetzigen Adelssitze und der erste Versuch, eiueu Wohnsitz inmitten von Parkaulagen zu gründen. Bald entstanden iu Befolgung dieses Princips zahlreiche,,Lusthäuser", welche der Adel in den Gartenanlagen bei seinen Schlössern gründete. Die nächstältesten großen Wohnhäuser dieser Periode sind Kacerov bei Raduitz uud Mühlhausen an der Elbe. Mit ihren Gräben und Riugmaueru erinnern sie an die alten Burgen, während die Eintheiluug des Wohngebäudes mit der entweder schon verblichenen oder ganz eingegangenen Zierde der Wände neuen Einfluß verräth. Der Gründer beider Schlösser war der Tiroler Florian Grießbeck von Grießbach, eine bedeutende Persönlichkeit unter der Beamtenschaft Ferdinands I., welcher zu dem Bau italienische Meister verwendete. Bald gab es im Lande eine Menge wälscher Baumeister, so daß man jeden Baumeister mit dem Namen Vlach (Wälscher) benannte und der Renaissancestil bei Wohnbauten der allein herrschende wurde. Ja, die Sucht, moderne Wohnhäuser zu besitzen, bewirkte eine förmliche Bauwuth, oft mit Vaudalismus verbunden, schuf aber mitunter prachtvolle Kunstwerke. Das im Jahre 1573 von Vratislav von Pernstein erbaute Schloß Leitomischl ist seinem ganzen Stil nach einheitlich gehalten und bis auf die Gegen- wart unversehrt geblieben. Diese Pernsteiu'sche Gründung wird jedoch weit überflügelt vou den Werken der letzten Rosenberge. Das von Wilhelm von Rosenberg in den Jahren
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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