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Die beiden gehören noch den Zeitgenossen Reiners an; die nächstfolgende Generation
gebietet noch über alle Mittel der Kunst, verfällt aber in einen Manierismus, so daß ihre
Werke nicht selten den Eindruck der Coulissenmalerei hervorbringen. Tadeas Supper,
der Urheber des großen Freskocyklus im Stift Sedlec, Karl Kovär, welcher auch im
benachbarten Kuttenberg thätig war, und der zierliche I. Hager, ein Schüler Palckos, sind
die bedeutendsten. Als letzte Epigonen Reiners wirken die beiden Brüder Kramolin, aus
Nimburg gebürtig, Joseph, welcher dem Jesuitenorden angehörte, und sein Bruder Wenzel.
Die kirchliche Kunst absorbirte nahezu alle Kräfte, so daß die Genre- und
Landschaftsmalerei kaum aufkommen konnten. Doch gab es auch zahlreiche Maler, welche
auf diesen Gebieten thätig waren, namentlich wurde Landschafts-, Blumen- und
Stillleben-Malerei nach der Art der Holländer eifrig gepflegt. Als Landschaftsmaler
entwickelt insbesondere die Kuttenberger Familie Hartmann, Johann Jakob und seine
Söhne Franz und Wenzel, eine bedeutende Thätigkeit; ganz nette Stillleben, insbesondere
Blumen, liefern: Adalbert Angermayer und sein Schüler Kaspar Hirschely (geboren in
Prag um 1701, gestorben 1745). Außerordentlich fruchtbar war Norbert Grund (geboren
in Prag 1714, gestorben 1767), von welchem eine Unzahl anmuthiger Bilder kleineren
Formates herrührt. Genrescenen und Landschaften aller Art, Dorfscenen, Jagdscenen
und Reitergefechte, späterhin auch verschiedene „galante" Scenen, wohl unter dem Ein-
fluß Watteaus und seiner Richtung entstanden, werden von ihm flott und manchmal
nicht ohne pikanten Reiz geschildert; auch das Getriebe des alten Prag spiegelt sich
in den Bildchen Grunds. Die Beliebtheit, welcher sich die Schöpfungen dieses Klein-
meisters erfreuten, hat seinen Freund, den Kupferstecher Balzer veranlaßt, eine Reihe
derselben serienweise herauszugeben.
Die bedeutende Bauthätigkeit kam wie den decorativen Künsten überhaupt, so
insbesondere dem Gedeihen der Plastik zu statten. Stuccatur- und Bildhauerarbeit stehen
im Vordergrund, während Holzschnitzerei nur mäßig betrieben wird und der Metallguß
gänzlich aufhört. Die nach dem Modell von Johann Brokoff gegossene Erzstatne des
heiligen Johannes auf der Prager Brücke, welche von dem Nürnberger Wolf Hiero-
nymus Herold im Jahre 1633 ausgeführt worden, ist das letzte künstlerische Werk auf
diesem Gebiete.
Die selbständige Stellung der Plastik war wohl mitbestimmend bei den Versuchen
der Bildhauer, sich von der Malerconfraternität zu emancipiren; mit Ernst Heidelberger,
Georg Pendel an der Spitze, standen sie seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts gegen die
Bruderschaft in Opposition, bis 1660 vom Appellationsgerichte zu Recht erkannt wurde,
daß die Maler nicht befugt seien, die Bildhauer „wider ihren Willen unter ihre Zunft
zu zwingen".
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch