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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 382 -
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382 Die beiden gehören noch den Zeitgenossen Reiners an; die nächstfolgende Generation gebietet noch über alle Mittel der Kunst, verfällt aber in einen Manierismus, so daß ihre Werke nicht selten den Eindruck der Coulissenmalerei hervorbringen. Tadeas Supper, der Urheber des großen Freskocyklus im Stift Sedlec, Karl Kovär, welcher auch im benachbarten Kuttenberg thätig war, und der zierliche I. Hager, ein Schüler Palckos, sind die bedeutendsten. Als letzte Epigonen Reiners wirken die beiden Brüder Kramolin, aus Nimburg gebürtig, Joseph, welcher dem Jesuitenorden angehörte, und sein Bruder Wenzel. Die kirchliche Kunst absorbirte nahezu alle Kräfte, so daß die Genre- und Landschaftsmalerei kaum aufkommen konnten. Doch gab es auch zahlreiche Maler, welche auf diesen Gebieten thätig waren, namentlich wurde Landschafts-, Blumen- und Stillleben-Malerei nach der Art der Holländer eifrig gepflegt. Als Landschaftsmaler entwickelt insbesondere die Kuttenberger Familie Hartmann, Johann Jakob und seine Söhne Franz und Wenzel, eine bedeutende Thätigkeit; ganz nette Stillleben, insbesondere Blumen, liefern: Adalbert Angermayer und sein Schüler Kaspar Hirschely (geboren in Prag um 1701, gestorben 1745). Außerordentlich fruchtbar war Norbert Grund (geboren in Prag 1714, gestorben 1767), von welchem eine Unzahl anmuthiger Bilder kleineren Formates herrührt. Genrescenen und Landschaften aller Art, Dorfscenen, Jagdscenen und Reitergefechte, späterhin auch verschiedene „galante" Scenen, wohl unter dem Ein- fluß Watteaus und seiner Richtung entstanden, werden von ihm flott und manchmal nicht ohne pikanten Reiz geschildert; auch das Getriebe des alten Prag spiegelt sich in den Bildchen Grunds. Die Beliebtheit, welcher sich die Schöpfungen dieses Klein- meisters erfreuten, hat seinen Freund, den Kupferstecher Balzer veranlaßt, eine Reihe derselben serienweise herauszugeben. Die bedeutende Bauthätigkeit kam wie den decorativen Künsten überhaupt, so insbesondere dem Gedeihen der Plastik zu statten. Stuccatur- und Bildhauerarbeit stehen im Vordergrund, während Holzschnitzerei nur mäßig betrieben wird und der Metallguß gänzlich aufhört. Die nach dem Modell von Johann Brokoff gegossene Erzstatne des heiligen Johannes auf der Prager Brücke, welche von dem Nürnberger Wolf Hiero- nymus Herold im Jahre 1633 ausgeführt worden, ist das letzte künstlerische Werk auf diesem Gebiete. Die selbständige Stellung der Plastik war wohl mitbestimmend bei den Versuchen der Bildhauer, sich von der Malerconfraternität zu emancipiren; mit Ernst Heidelberger, Georg Pendel an der Spitze, standen sie seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts gegen die Bruderschaft in Opposition, bis 1660 vom Appellationsgerichte zu Recht erkannt wurde, daß die Maler nicht befugt seien, die Bildhauer „wider ihren Willen unter ihre Zunft zu zwingen".
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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