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darunter insbesondere Andreas Quiteiner aus Friedland gebürtig, Matthäus Jeckel und
Johann Brokoff, welcher aus Georgenberg in Oberungarn stammte und sich um das
Jahr 1675 in Prag niederließ. Sein Sohn Maximilian Ferdinand Brokoff, im Jahre
1688 in Prag geboren, ist nebst dem im Jahre-1704 von dem kunstliebenden Grafen
Franz Sporck nach Böhmen berufenen Matthäus Braun der bedeutendste böhmische
Bildhauer der Barockperiode. Hervorragend waren die, noch im Verein mit dem Vater,
nach dem Jahre 1707 entstandenen Gruppen der alten Karlsbrücke zu Prag, welche man
nun niit Statuen zu schmücken begann und welche zugleich zu einer Art Kunstschule
wurde. Eine domiuireude Stellung unter den Brückenstatuen nahmen die beiden
Gruppen des heiligen Ignatius und des heiligen Franciseus, von den Jesuiten 1712
gestiftet, ein, gewaltige Steinbilder, von welchen besonders jenes des heiligen Franciseus
durch die originelle Anordnung und die kraftvollen Gestalten der Vertreter der bekehrten
wilden Völker sich auszeichnete. Ihre dominirenden Stellen haben die beiden Gruppen
durch ihren Untergang bei der Überschwemmung des Jahres 1890 gebüßt. Die Gruppe
des heiligen Francisens Seraphiens und die durch den „Türken", welcher die christlichen
Sclaven bewacht, populär gewordene Statue des heiligen Johann von Matha schließen
sich ihnen an. In anderer verwandter Richtung sehen wir Brokoff mit dem Ausführen
von Gedenksäulen beschäftigt; auch das große, dem Grafen Johann Wenzel Vratislav
von Mitrovitz 1716 nach dem Entwürfe Fischers von Erlach in der Jakobskirche errichtete
Grabmal zeigt einen verwandten Charakter. Seltener hat er seinen Meißel decorativen
Zwecken geliehen, doch sind seine finster grollenden „Mauren" des Palais Morzin vom
Jahre 1714 die prächtigsten Karyatiden der ganzen Epoche.
Hingegen liegt die Bedeutung Brauns insbesondere in seinen decorativen Leistun-
gen; dieser Art waren schon seine etwas bizarren Erstlingswerke, welche er in den
Gärten zu Kukus und Lysä für den Grafen Sporck ausgeführt hat; zur hohen Vollendung
gelangt er in seinen Karyatiden und Bildwerken, welche die Paläste Prags zieren; in
erster Reihe gehören dazu jene des Palastes Clam-Gallas, dann die der Paläste Thuu-
Tetschen, Bnquoy und des Maltheser Grandpriorats. Von freistehenden Statuen ist die
bedeutendste die Gruppe der heiligen Luitgardis auf der Karlsbrücke, zugleich eine der
bedeutendsten Schöpfungen, welche letztere anfweist.
Die nächstfolgende Generation, unter welcher Jgnaz Platzer domiuirt, verfällt in
hohles Pathos, durch welches sie die urwüchsige Kraft Brokoffs zu ersetzen sucht. Ver-
schiedene Umstände haben dazu beigetragen, daß die glanzvolle Kunstepoche nach hundert
Jahre dauerndem Entwicklungsgange jäh abschließt: zunächst der siebenjährige Krieg,
dessen steter Schauplatz Böhmen gewesen, alsdann die nüchterne Anschauungsweise, welche
schließlich der Kunst gegenüber eine feindliche Stellung nimmt. Eine Zeit brach ein,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch