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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 384 -
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384 darunter insbesondere Andreas Quiteiner aus Friedland gebürtig, Matthäus Jeckel und Johann Brokoff, welcher aus Georgenberg in Oberungarn stammte und sich um das Jahr 1675 in Prag niederließ. Sein Sohn Maximilian Ferdinand Brokoff, im Jahre 1688 in Prag geboren, ist nebst dem im Jahre-1704 von dem kunstliebenden Grafen Franz Sporck nach Böhmen berufenen Matthäus Braun der bedeutendste böhmische Bildhauer der Barockperiode. Hervorragend waren die, noch im Verein mit dem Vater, nach dem Jahre 1707 entstandenen Gruppen der alten Karlsbrücke zu Prag, welche man nun niit Statuen zu schmücken begann und welche zugleich zu einer Art Kunstschule wurde. Eine domiuireude Stellung unter den Brückenstatuen nahmen die beiden Gruppen des heiligen Ignatius und des heiligen Franciseus, von den Jesuiten 1712 gestiftet, ein, gewaltige Steinbilder, von welchen besonders jenes des heiligen Franciseus durch die originelle Anordnung und die kraftvollen Gestalten der Vertreter der bekehrten wilden Völker sich auszeichnete. Ihre dominirenden Stellen haben die beiden Gruppen durch ihren Untergang bei der Überschwemmung des Jahres 1890 gebüßt. Die Gruppe des heiligen Francisens Seraphiens und die durch den „Türken", welcher die christlichen Sclaven bewacht, populär gewordene Statue des heiligen Johann von Matha schließen sich ihnen an. In anderer verwandter Richtung sehen wir Brokoff mit dem Ausführen von Gedenksäulen beschäftigt; auch das große, dem Grafen Johann Wenzel Vratislav von Mitrovitz 1716 nach dem Entwürfe Fischers von Erlach in der Jakobskirche errichtete Grabmal zeigt einen verwandten Charakter. Seltener hat er seinen Meißel decorativen Zwecken geliehen, doch sind seine finster grollenden „Mauren" des Palais Morzin vom Jahre 1714 die prächtigsten Karyatiden der ganzen Epoche. Hingegen liegt die Bedeutung Brauns insbesondere in seinen decorativen Leistun- gen; dieser Art waren schon seine etwas bizarren Erstlingswerke, welche er in den Gärten zu Kukus und Lysä für den Grafen Sporck ausgeführt hat; zur hohen Vollendung gelangt er in seinen Karyatiden und Bildwerken, welche die Paläste Prags zieren; in erster Reihe gehören dazu jene des Palastes Clam-Gallas, dann die der Paläste Thuu- Tetschen, Bnquoy und des Maltheser Grandpriorats. Von freistehenden Statuen ist die bedeutendste die Gruppe der heiligen Luitgardis auf der Karlsbrücke, zugleich eine der bedeutendsten Schöpfungen, welche letztere anfweist. Die nächstfolgende Generation, unter welcher Jgnaz Platzer domiuirt, verfällt in hohles Pathos, durch welches sie die urwüchsige Kraft Brokoffs zu ersetzen sucht. Ver- schiedene Umstände haben dazu beigetragen, daß die glanzvolle Kunstepoche nach hundert Jahre dauerndem Entwicklungsgange jäh abschließt: zunächst der siebenjährige Krieg, dessen steter Schauplatz Böhmen gewesen, alsdann die nüchterne Anschauungsweise, welche schließlich der Kunst gegenüber eine feindliche Stellung nimmt. Eine Zeit brach ein,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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