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Schon in den ersten Deeennien ihres Bestehens wurden von der Prager Akademie
sogenannte „Kunstausstellungen" veranstaltet, auf welchen neben, von ihren Schülern
mit der Feder oder mit der Kreide fleißig ausgeführten Copien nach Gemälden einige
selbständige Versuche der Schule entwachsener Künstler zu sehen waren. Das Los der
meisten dieser älteren Bergler-Schüler war ein trauriges, da für die inhaltlosen Formen
des sogenannten Classieismus sich doch nur sehr Wenige zu erwärmen vermochten.
Immer nur auf sich und die unter gleichen Verhältnissen aufgewachsenen Collegen
angewiesen, ohne Kenntniß von dem indeß außerhalb des Landes erwachten regen
Kunstleben, mußten sie jeglicher Anregung zu freudigem Schaffen entbehren. Dies gab
einigen Mitgliedern der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde Veranlassung, ein
Actienunternehmen zu gründen, um in diesen Kunstausstellungen Werke einheimischer
Künstler anzukaufen und zn verlosen — mit besonderer Berücksichtigung jener Künstler,
welche der Kunstschule der Gesellschaft selbst ihre Ausbildung zu danken hatten.
In der richtigen Erkenntniß, daß die fortgesetzte strenge Abschließung von der
Außenwelt auf die weitere Entwicklung der bildenden Künste lähmend wirken müsse und
daß es unbedingt nothwendig sei, den Gesichtskreis der Künstler und der Kunstfreunde
zu erweitern, waren einige einflußreiche Männer bestrebt, eine Wendung zum Bessern
anzubahnen — in erster Reihe zwei hochherzige Kunstfreunde, Dr. Alois Klar und
vier Jahre nach dessen Tod Franz Graf von Thun und Hohenstein, welche mit
praktischem Sinn die richtigen Mittel ergriffen, um die heimische Kunst zu fördern.
Dr. Alois Klar (geboren 1763 zu Aufcha, gestorben zu Prag 1834), Professor der
classischen Literatur an der Prager Universität, der Gründer des nach ihm benannten großen
Blindenerziehnngsinstitutes in Prag und in nahen persönlichen Beziehungen zu Josef
Führich stehend, erfaßte 1832 die Idee, eine eigene Künstlerstiftung in der Art zu gründen,
daß die Zinsen eines durch eigene Widmungen und Sammlungen zusammengebrachten
Capitals, das später bedeutend anwuchs, einem Künstler zur Reise nach Italien zugewendet
werden. Der Klar'scheu Künstlerstiftung, welche im Jahre 1839 ins Leben trat, ver-
danken zahlreiche böhmische Künstler den meist dreijährigen Aufenthalt in Italien, welcher
nicht allein auf die Stiftliuge veredelnd wirkte, sondern durch diese nach deren Rückkehr
in die Heimat auch auf die Zurückgebliebenen nicht ohne wohlthätige Rückwirkung blieb.
Wenn Klar in der Absicht die hohe Knust zu fördern, den Weg wählte, den
Künstler durch das Studium der classischen Kiiustwerke zu bilden, indem er ihm durch seine
Künstlerstiftnng die Mittel zn einem mehrjährigen Aufenthalt in Italien bot,' entschied
sich Graf Franz Thun (geboren 1809 auf Schloß Tetfcheu, gestorben 187t) zu Prag)
dafür, nicht allein auf die zurückgebliebenen Künstler, sondern vornehmlich auch auf die
Geschmacksbildung und Kunstliebe der gebildeten und wohlhabenden Laien anregend
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch