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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Band 15
Seite - 396 -
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396 Schon in den ersten Deeennien ihres Bestehens wurden von der Prager Akademie sogenannte „Kunstausstellungen" veranstaltet, auf welchen neben, von ihren Schülern mit der Feder oder mit der Kreide fleißig ausgeführten Copien nach Gemälden einige selbständige Versuche der Schule entwachsener Künstler zu sehen waren. Das Los der meisten dieser älteren Bergler-Schüler war ein trauriges, da für die inhaltlosen Formen des sogenannten Classieismus sich doch nur sehr Wenige zu erwärmen vermochten. Immer nur auf sich und die unter gleichen Verhältnissen aufgewachsenen Collegen angewiesen, ohne Kenntniß von dem indeß außerhalb des Landes erwachten regen Kunstleben, mußten sie jeglicher Anregung zu freudigem Schaffen entbehren. Dies gab einigen Mitgliedern der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde Veranlassung, ein Actienunternehmen zu gründen, um in diesen Kunstausstellungen Werke einheimischer Künstler anzukaufen und zn verlosen — mit besonderer Berücksichtigung jener Künstler, welche der Kunstschule der Gesellschaft selbst ihre Ausbildung zu danken hatten. In der richtigen Erkenntniß, daß die fortgesetzte strenge Abschließung von der Außenwelt auf die weitere Entwicklung der bildenden Künste lähmend wirken müsse und daß es unbedingt nothwendig sei, den Gesichtskreis der Künstler und der Kunstfreunde zu erweitern, waren einige einflußreiche Männer bestrebt, eine Wendung zum Bessern anzubahnen — in erster Reihe zwei hochherzige Kunstfreunde, Dr. Alois Klar und vier Jahre nach dessen Tod Franz Graf von Thun und Hohenstein, welche mit praktischem Sinn die richtigen Mittel ergriffen, um die heimische Kunst zu fördern. Dr. Alois Klar (geboren 1763 zu Aufcha, gestorben zu Prag 1834), Professor der classischen Literatur an der Prager Universität, der Gründer des nach ihm benannten großen Blindenerziehnngsinstitutes in Prag und in nahen persönlichen Beziehungen zu Josef Führich stehend, erfaßte 1832 die Idee, eine eigene Künstlerstiftung in der Art zu gründen, daß die Zinsen eines durch eigene Widmungen und Sammlungen zusammengebrachten Capitals, das später bedeutend anwuchs, einem Künstler zur Reise nach Italien zugewendet werden. Der Klar'scheu Künstlerstiftung, welche im Jahre 1839 ins Leben trat, ver- danken zahlreiche böhmische Künstler den meist dreijährigen Aufenthalt in Italien, welcher nicht allein auf die Stiftliuge veredelnd wirkte, sondern durch diese nach deren Rückkehr in die Heimat auch auf die Zurückgebliebenen nicht ohne wohlthätige Rückwirkung blieb. Wenn Klar in der Absicht die hohe Knust zu fördern, den Weg wählte, den Künstler durch das Studium der classischen Kiiustwerke zu bilden, indem er ihm durch seine Künstlerstiftnng die Mittel zn einem mehrjährigen Aufenthalt in Italien bot,' entschied sich Graf Franz Thun (geboren 1809 auf Schloß Tetfcheu, gestorben 187t) zu Prag) dafür, nicht allein auf die zurückgebliebenen Künstler, sondern vornehmlich auch auf die Geschmacksbildung und Kunstliebe der gebildeten und wohlhabenden Laien anregend
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (2), Band 15
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (2)
Band
15
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.07 x 22.35 cm
Seiten
708
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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