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Leo Lerch war einer der ersten, welcher bei den Bildnissen jnnger Damen die gegenwärtig
wieder so beliebte Pastellmalerei einführte, eine Technik, welche jetzt stark in Ausnahme
kam und die namentlich Camill Stnchlik, Karl Grund, Helene Eminger, Theodor
HilZer mit Vorliebe, mit Geschick und Geschmack behandeln. In neuester Zeit wird auch
die laug vergessene Miniaturmalerei durch Gnstava Helmessen nnd Hedwig Höna-
Senst wieder zu Ehren gebracht.
An der Prager Akademie war das Landschaftsfach lange Jahre hindurch ganz
vernachlässigt worden; denn von 1816 bis 1835, somit durch neunzehn Jahre, und dann
wieder nach Hanshosers Tode (1866) blieb die Professur für das Landschaftsfach
durch einundzwanzig Jahre — bis 1887 — ans Ersparnngsrücksichten unbesetzt.
Max H ausHofer, der zur Zeit seines Schwagers Rubeu im Jahre 1844 aus München
an die Prager Akademie berufen worden war, wirkte bis zu seinem Tode als Lehrer der
Landschaftsmalerei auregeud auf zahlreiche und begabte Schüler. Obwohl während
22 Jahren in Böhmen ansässig, entnahm Hanshoser die Motive für seine Landschaften
ausschließlich seinem Geburtsland Baiern und den nachbarlichen Alpenläuderu. Der
Chiemsee und das Hochgebirge, die schwüle und unheimliche Ruhe, die dem aufsteigenden
Gewitter vorausgeht, wurde von Hanshofer mit besonderer Borliebe und auch mit
Glück behandelt.
Der älteste von Hanshosers Schülern, den er schon als den vorgeschrittensten
Schüler seines Vorgängers Anton Manes übernommen hatte, der in seiner Vaterstadt
Prag lebende und unermüdlich schaffende Friedrich Hawräuek (geboren 1821) ist einer
der bedeutendsten Landschaftsmaler Böhmens und einer der eigenartigsten überhaupt.
Sowohl in seinen Ölgemälden als auch iu Aquarell behandelt Hawränek Laubbäume
und Strauchwerk, vom üppigsten Pflanzenwuchs überwuchertes altes Gemäuer, die mit
Stroh gedeckten Holzbauten alter böhmischer Bauernhöfe nud alle die vielen Details
daran mit der liebevollsten und erstaunlichsten Delikatesse, ohne ihnen die Gesammt-
wirknng zu opfern. Zu den besten seiner sehr gesuchten Bilder gehören der „Wasser-
tümpel iu einem alten Buchenwald" (1856), „Bauernhof in den Sudeten" (1860), eine
„kleine Gasse in Krumau", die „Mühle in Dürrenthal" (1872), die „kleine hölzerne
Mühle in einem Eichenwalde" (1875), die „Ansicht des Schlosses Friedland" und
„Ruine einer Mühle im Pnnkwathal in Mähren". Als strenger Zeichner leitet und
überwacht er im Auftrag des hohe» Autors seit vielen Jahren die Ausführung der
Holzschnitte für die von Seiner kaiserlichen Hoheit Erzherzog Ludwig Sa lva to r
gezeichneten Illustrationen zu dessen Reisebeschreibuugeu und hat auf diesem Wege
eine große Anzahl vortrefflicher Holzschneider im Landschaftsfach — wie vordem Josef
Manes im Figureusach — herangebildet, von denen die meisten in Prag thätig sind.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch