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und andere Blattornamente dnrch Regelmäßigkeit und Geschmeidigkeit der Formen aus.
Eine von den Monstranzen des Sanct Veitschatzes trägt auch das Zeichen des Erbauers
dieses Domes Peter Parier uud den Charakter seiner architektonischen Richtnng.
Zu den mit minutiöser Genauigkeit gegossenen nnd ciselirten Arbeiten gesellen sich
noch Ornamente in getriebener Arbeit, doch selten zeigen sie sich gleichzeitig an einem
Werke, als ob die Aufgabe des Gießers und Goldschlägers streng geschieden wäre.
Nur großartige Werke, wie das leider vernichtete Grabmal des heiligen Wenzel, enthielten
Alles, was Goldschmiedekuust uud Juwelierarbeit zustande bringen konnten. Von dem
großen Reichthum dieses Grabmals, das vom Sohne Karls Sigismund in einer Geld-
verlegenheit verkauft wnrde, belehrt uns ein Inventar aus dem Jahre 1387. Neben
Karl IV. haben sich auch der Erzbischof Erust von Pardubitz und der kunstsinnige Bischof
von Leitomischl Adalbert von Sternberg um die Errichtung dieses berühmten Monumentes
große Verdienste erworben. Anch ein Tragaltar, jetzt im Stifte Admont, ist ein Denkmal
nach dem kunstsinnigen Bischof Adalbert von Sternberg nnd zugleich eiu solches der Prager
Goldschmiedekuust.
Seiue Meisterschaft bewährt der Goldschläger bei solchen getriebenen Arbeiten, bei
denen er die Anfgabe der hohen Plastik übernimmt. Es sind dies namentlich Reliquiarieu
in Büstengestalt der Heiligen, in denen diese Meisterschaft ihren Höhenpunkt erreichte;
eine silberne Büste der heiligen Ludmila aus der Zeit Karls im Sanct Veitsschatze,
die ruhig uud einfach stilisirt ist, und die kupfernen Büsten des heiligen Petrus und
Panlus in der Kapelle des erzbischöflichen Palais, die im Ausdruck ungewöhnlich energisch
gehalten sind, zeigen uus, wie weit es diese Technik brachte und wie sich zugleich im Laufe
der Zeit Stil uud Charakter änderte; die erwähnten Büsten gehören nämlich in die schon
vorgeschrittene Regieruugszeit Wenzels und tragen den Namen des Erzbischoss Albik
von Unicov (1412). Neben getriebenen nnd pnnzirten Ornamenten zeigt sich an denselben
auch Email, dem wir übrigens auch bei zahlreichen anderen Arbeiten begegnen. Am ver-
breitetsteu war das dem italienischen verwandte Email auf einem ausgehöhlten silbernen
Kern; es ist entweder durchsichtig und hat dann eine grüne oder violette Farbe oder
nndnrchsichtig und besitzt die Farbe des rothen Siegellacks oder es ist schwarz. Dieses
schwarze Email auf silberner Unterlage erscheint noch im XV. Jahrhundert. Ungemein
interessant ist das Besteck der Königin Elisabeth, der vierten Gemalin Karls IV., im Besitz
der königlichen Leibgedingstadt Königgrätz, nämlich 24 Löffel mit silbernen emaillirten
Stielen, auf welchen ebenso wie auf dem Gürtel derselben Königin verschiedene fromme und
erotische Sprüche zu lesen sind.
Es ist schwer zu entscheide», ob manche Arbeiten aus Halbedelsteinen, wie zum
Beispiel der schöne Onyxbecher, der im Jahre 1350 vou Karl IV. dem Donischatz
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch