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Schmuck dient als milder Übergang und verdeckt die Starrheit dieses Aufbaues, ja er
verleiht ihm Lebendigkeit und eine zarte harmonische Wirkung. Im XV. Jahrhundert
befaßten sich zahlreiche Künstler, die Bildhauer-Architekten namentlich in Florenz,
mit derartigen Entwürfen, die meistens als Grabdenkmäler Verwendung fanden.
Augenscheinlich bemühten sie sich, die große Aufgabe zu lösen, wie es möglich wäre, die
Statuen als Ornamente in mehr organischere, intimereVerbindnng mit der neuen Bauweise
zu bringen. Einen der interessantesten Versuche dieser Art sehen wir im Altare der Bakoes-
Kapelle, der den Neid jedes Landes, mit Ausnahme Italiens, erregen könnte.
Der Name des Meisters ist unbekannt, der die Kapelle entworfen und durch seine
edle Schöpfung mit einem Schlage die völlig entfaltete, aber noch jugendfrische italienische
Renaissance auf ungarischen Boden verpflanzte. Wohl aber ist der Verfertige? des Altares
bekannt. Der Künstlerbiograph Vafari bezeugt, daß es Andrea Ferrncci da Fiesole ist.
Nach fünf Jahrhunderten ausübender Baukunst, nach so vielen schönen Leistungen nnd nach
Johann Aquila taucht endlich einmal in Verbindung mit einem vorzüglichen Werke ein
wirklicher Name, von wirklicher kunstgeschichtlicher Bedeutung auf.
Als der oben erwähnte Erzbifchof von Gran, Georg Szathmäry, noch Bischof von
Fünfkirchen war (1506 bis 1521), schmückte er den dortigen Dom mit einem Pasto-
phorinm, das zu Ende des XVIII. Jahrhunderts restaurirt und in der Corpus
Domiui-Kapel le des Domes als Altar aufgestellt wurde, so daß es seitdem unter dieser
Bezeichnung bekannt ist. Es ist aus rothem Marmor gearbeitet und am Fuße mit dem
Wappen des Stifters geschmückt. Entwurf, Ornamentik und Ausführung entsprechen
den beiden Pastophorien in der innerstädtischen Pfarrkirche zu Budapest, besonders dem
einen, das die Jahreszahl 1507 und das Wappen der Stadt Pest trägt und im III. Baude
„Ungarn" abgebildet ist. Diese Ähnlichkeit macht es so viel wie zweifellos, daß beide
Arbeiten von demselben Meister herrühren.
Von den Banwerken der fünfeinhalb Jahrhunderte zwischen der Begründung des
Königthums uud der Türkenherrschaft sind anßer den Festungen keinerlei weltliche
Bauten erhalten geblieben. Auch die schriftliche»Quellen sind entweder stumm oder drücke«
sich sehr allgemein aus. Mit ihrer Hilfe können wir uns nicht einmal annähernd ein Bild
machen, auf welche Art iu diesen Jahrhunderten weltlich gebaut wurde. Die Nachkommen
der magyarischen Vaterlandgründer sträubten sich noch in der zehnten Generation gegen
die Erbauung befestigter Plätze. Die rings im Lande verstreuten Reste römischer und
slavischer Schutzbauteu machten keinen Eindruck auf sie; mit Zähigkeit hielten sie an den
Überlieferungen des nomadischen Reitervolkes fest. Der Wojwode Geza ließ sich wohl in
der Graner Beste nieder, doch ging ihm dis Jdee der Festung nicht ins Blnt über. Unter den
Königen ans Ärpäds Hanse hört man dritthalb Jahrhunderte lang kaum eine Burg erwähnen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch