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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 147 -
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147 Schmuck dient als milder Übergang und verdeckt die Starrheit dieses Aufbaues, ja er verleiht ihm Lebendigkeit und eine zarte harmonische Wirkung. Im XV. Jahrhundert befaßten sich zahlreiche Künstler, die Bildhauer-Architekten namentlich in Florenz, mit derartigen Entwürfen, die meistens als Grabdenkmäler Verwendung fanden. Augenscheinlich bemühten sie sich, die große Aufgabe zu lösen, wie es möglich wäre, die Statuen als Ornamente in mehr organischere, intimereVerbindnng mit der neuen Bauweise zu bringen. Einen der interessantesten Versuche dieser Art sehen wir im Altare der Bakoes- Kapelle, der den Neid jedes Landes, mit Ausnahme Italiens, erregen könnte. Der Name des Meisters ist unbekannt, der die Kapelle entworfen und durch seine edle Schöpfung mit einem Schlage die völlig entfaltete, aber noch jugendfrische italienische Renaissance auf ungarischen Boden verpflanzte. Wohl aber ist der Verfertige? des Altares bekannt. Der Künstlerbiograph Vafari bezeugt, daß es Andrea Ferrncci da Fiesole ist. Nach fünf Jahrhunderten ausübender Baukunst, nach so vielen schönen Leistungen nnd nach Johann Aquila taucht endlich einmal in Verbindung mit einem vorzüglichen Werke ein wirklicher Name, von wirklicher kunstgeschichtlicher Bedeutung auf. Als der oben erwähnte Erzbifchof von Gran, Georg Szathmäry, noch Bischof von Fünfkirchen war (1506 bis 1521), schmückte er den dortigen Dom mit einem Pasto- phorinm, das zu Ende des XVIII. Jahrhunderts restaurirt und in der Corpus Domiui-Kapel le des Domes als Altar aufgestellt wurde, so daß es seitdem unter dieser Bezeichnung bekannt ist. Es ist aus rothem Marmor gearbeitet und am Fuße mit dem Wappen des Stifters geschmückt. Entwurf, Ornamentik und Ausführung entsprechen den beiden Pastophorien in der innerstädtischen Pfarrkirche zu Budapest, besonders dem einen, das die Jahreszahl 1507 und das Wappen der Stadt Pest trägt und im III. Baude „Ungarn" abgebildet ist. Diese Ähnlichkeit macht es so viel wie zweifellos, daß beide Arbeiten von demselben Meister herrühren. Von den Banwerken der fünfeinhalb Jahrhunderte zwischen der Begründung des Königthums uud der Türkenherrschaft sind anßer den Festungen keinerlei weltliche Bauten erhalten geblieben. Auch die schriftliche»Quellen sind entweder stumm oder drücke« sich sehr allgemein aus. Mit ihrer Hilfe können wir uns nicht einmal annähernd ein Bild machen, auf welche Art iu diesen Jahrhunderten weltlich gebaut wurde. Die Nachkommen der magyarischen Vaterlandgründer sträubten sich noch in der zehnten Generation gegen die Erbauung befestigter Plätze. Die rings im Lande verstreuten Reste römischer und slavischer Schutzbauteu machten keinen Eindruck auf sie; mit Zähigkeit hielten sie an den Überlieferungen des nomadischen Reitervolkes fest. Der Wojwode Geza ließ sich wohl in der Graner Beste nieder, doch ging ihm dis Jdee der Festung nicht ins Blnt über. Unter den Königen ans Ärpäds Hanse hört man dritthalb Jahrhunderte lang kaum eine Burg erwähnen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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