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tritt bei ihnen, obgleich sie vollkommen Magyaren geworden sind, noch deutlich hervor.
Szapär besitzt reiche Steinkohlenlager, in denen ein geregelter Abbau eingeführt ist.
Die zweite und wichtigste Straße geht in nördlicher Richtung ans Cseßnek. Hat
man sie etwa 14 Kilometer weit verfolgt, so erblickt man die überraschend malerische, ja
majestätische Burg Cseßnek und hinter ihr in weiter Ferne den alten Burgberg von
Martinsberg (Pannonhalma), gekrönt von der Martinsberger Abteikirche und dem jetzt
als Kloster dienenden Schlosse. Burg Cseßnek ist über dem gleichnamigen Dorfe ans der
Kante eines steilen Berges erbaut. In der heutigen Form ist sie ein Werk Sigmund
Garais (um 1314). Nach dem Aussterben des mächtigen Hauses Garai wurde sie
Eigenthum Stephan Verböczys und nach der Schlacht bei Mohäcs Stephan Töröks von
Enying. Um die Mitte des XVI. Jahrhunderts ging sie sammt den zugehörigen Dörfern
an die Familie Hofszntöthy über. In der unruhigen Zeit der Parteikriege, unter den
Königen aus gemischten Häusern, spielte sie eine wichtige Rolle. Selbst der letzte Knrntzen-
krieg brach sie nicht und sie wurde bis zu Beginn unseres Jahrhunderts noch regelmäßig
von den Grafen Esterhäzy bewohnt; doch brannte im Jahre 1824 durch einen Blitzschlag
ihr ganzes Dach ab. Von da an wurde sie dem Ruin überlassen und 70 weitere Jahre
haben sie auch wirklich in einen Zustand versetzt, daß man sie für eine mehrhundertjährige
Ruine halten könnte. Östlich von Zircz liegt im Thal der Gaja zwischen den Höhen des
oberen Bakony das Dörfchen Jäsd mit gemischt sprechender Bevölkerung. Im Mittel-
alter stand hier ein Benediktinerkloster, doch ist nicht urkundlich zu erweisen, durch wen
und wann es gegründet worden oder wann es untergegangen. Das Dorf gehört jetzt zur
Sztäray'schen Herrschaft Palota.
Die dritte Straße führt von Zircz nach Bakonybel, wo sie endet. Bakonybel ist
vielleicht der versteckteste Ort im Lande. Der Gesammtbereich des Bakonygebirges war
zu Anfang unseres Jahrtausends mit zusammenhängendem Urwald bedeckt und es kann
daher nicht Wunder nehmen, daß weltüberdrüssige fromme Seelen sich hieher zurückzogen,
um als Einsiedler zu leben. In der That lebte hier, historischer Überlieferung gemäß,
St. Gerhard, der spätere Bischof von Csanäd, als Waldbruder. Stefan der Heilige
gründete hier eine Beuediktiuerabtei. Diese ist jedenfalls eine der ältesten im Lande; sie
gehört auch jetzt dem Benediktinerorden und ist dem Erzabt von Martinsberg zugeordnet.
Ihre jetzigen einfachen Gebäude sind erst in der Zeit nach der Türkenherrschaft entstanden,
doch sind Ruinen sämmtlicher alter Bauten an verschiedenen Stellen noch zu finden. Im
Winter sind die hieher führenden Wege oft so tief verschneit, daß das Kloster sammt dem
daneben liegenden Dörfchen Bakonybel Wochen, ja Monate lang vollständig von der
Welt abgeschnitten ist. Der gelehrte Abt Nikolaus Särkäny hat sich in den Vierziger-Jahren
auf dem Reichstage hervorgethan.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch