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Über Väroslöd führt der Weg durchaus im Torna-Thale nach Devecser, einer
kleinen, aber der hübschesten Stadt des mittleren Bakony. Früher gehörte sie zur
Herrschaft Papa, jetzt ist sie der Mittelpunkt einer selbständigen Herrschaft und Eigenthum
des Grafen Esterhäzy. In der Periode nach der Mohäcser Schlacht war sie Eigen-
thum des Geschlechtes Chörom oder Ehöron. Nach dessen Erlöschen ging sie an die
Esterhäzy über. Das noch bestehende alte Schloß war einst eine feste, mit nassem Graben
umgebene Burg.
Hier in der Nähe liegt der Berg Somlyo, auf dem vorzüglicher Wein wächst.
Dieser Berg bildet einen der schönsten Kegel vulkanischen Ursprungs. Eigentlich besteht
er aus drei aufeinander gesetzten Kegeln. Im mittleren und südlichen Bakony finden sich
vier ungefähr ähnlich gestaltete Kegel: Somlyo, der Badaesouy, der St. Georgsberg
(Z^ent^örM-HeAx) im Zalaer Eomitat und der Säg bei Kemeuesalja im Eifenbnrger
Eomitat. So schön aber, so hoch und regelmäßig wie der Somlyo ist keiner. Die
Basis dieses Berges bildet eine beinahe kreisförmige Ebene von etwa 1000 ungarischen
Joch Flächeninhalt; auch gehört er vier Gemeinden an. Sein unterer Kegel bringt
die berühmten „Schomlauer" Weißweine hervor, und zwar in drei Sorten. Seine
Südseite heißt die Somlyö-Väsärhelyer Seite und hier wachsen die stärksten Weine. Die
südwestliche Seite erzeugt den berühmten Szölöser Wxin, an den nördlichen und nord-
östlichen Abhängen endlich wächst der Dobaer und der Borßöresöker, die weniger Feuer,
aber ungemein viel Bonquet und Körper haben. Aus dem Weingürtel erhebt sich in voll-
kommener Kreisrundung ein riesiger Basaltkegel, dessen stellenweise senkrechte Wände den
Ausbruch und die Krystallisation des Basaltes in ihrer ursprünglichen Gestalt erkennen
lassen. An diesen Basaltwänden nisten noch etliche Pärchen von Jagdfalken, die sich seit
der Ritterzeit hier fortzupflanzen wußten; dieser Vogel fehlt im ganzen übrigen Land
jenseits der Douau. Die Bewohner der Gegend schreiben es den Falken zu, daß den
dortigen Weinbergen die Staare und Spatzen keinen Schaden zuzufügen Pflegen. Auf dem
Gipfel der Basaltkuppe endlich steht ein dritter Kegel, der Krater des einstigen Feuer-
fpeiers; in der Mitte des obersten Gipfels erkennt man noch ganz deutlich die keffelförmige
Höhlung des Kraters und in der Mitte findet man große Mengen Lavagestein. An der
Westseite des Berges steht die Burg Somlyo; Alexander Kisfalndy hat sie und ihre
Weinlese einst gar schön besungen. Diese Burg gehörte unter den Königen aus gemischten
Häusern sammt Papa den Garai und ging später an Paul Kinizsi, Zäpolyai und
Valentin Török von Enyiug über. Von letzterem Besitzer erwarb sie der Erzbischos
Thomas Baköcz, der das große Vermögen des Grafengeschlechts der Erdödy begründete
und nach dessen Tode auch Burg Somlyo au die Erdödy überging. Diesen gehört sie nun
ununterbrochen seit dreieinhalb Jahrhunderten.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch