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Veßprem ist sowohl durch seine geographische Lage und die großen kirchlichen
Anstalten, als auch durch seine Festung eine wichtige Stadt. Auch hat es in der Geschichte
Ungarns eine bedeutende Rolle gespielt. Zur Zeit der Römerherrschast stand auf der
Stätte des jetzigen Veßprem die Stadt Eimbriaua; dieses Wort ist vermuthlich keltischen
Ursprungs, folglich muß die Stadt schon, als die Kelten hier hausten, bestanden haben.
Die keltische Herrschaft endete hier um die Zeit Christi und es begann die römische; die
Stadt ist also mindestens so alt wie die christliche Zeitrechnung.
Geschichtliche Daten behaupten, Veßprem sei zur Zeit, da Versuche zur Bildung
eines marahanischen Slavenreiches gemacht wurden, wenigstens zeitweise Hauptort gewesen.
Nach den ungarischen Überlieferungen hatte Svatopluk — Vater oder Sohn — hier
seine Residenz gehabt. Nach dem Anonymus Notarius wurde es den Römern dnrch
Ärpäds Schaaren unter Ußubu und Ensee abgenommen. Wie schon erwähnt, ließen sich
bei der Auftheilung der Ländereien, und auch die Namen der Dörfer und Pnßten scheinen
dies zu bestätigen, die Mitglieder der Familie Ärpäds wenigstens zum Theil hier nieder.
Wiederum nach dem Anonymus schenkte Ärpäd bei der Hochzeit seines Sohnes Zoltän
Veßprem dem Heerführer Ußubu. Unter Stefau dem Heiligen macht sich Veßprem schon
mehrfach geltend. Stefans Verwandter, der Feldherr Knpa oder Koppany, der sich zur
Vertheidigung der heidnischen Urreligion erhoben hatte, schlug hier die Entscheidungs-
schlacht gegen das Heer Stefans, die ihn das Leben kostete. Sein Körper wurde geviertheilt
und eines dieser Stücke an das Thor der Veßpremer Burg genagelt.
Stefan der Heilige gründete das Veßpremer Bisthnm gleichzeitig mit dem zu
Fünftirchen, er stattete es mit reichem Landbesitz aus und dehnte seine Jurisdictiou auf
die Comitate Veßprem, Somogy, Zala, Weißenburg, Pilis und auf die Städte Veßprem.
Stuhlmeißenburg, Vifegräd u. f. w. aus. Er gründete das Nonnenkloster im Veßpremthale
und verlieh ihm die Herrschaft Vörös-Bereny. Dieses Kloster hatte, sowie sein Orden,
keinen langen Bestand. In Ungarn verbreitete sich das westliche Christenthnm und die erstcn
Gründungen der orientalischen Kirche welkten alsbald ab. Als Peter, Erzabt von Citeaux,
im Jahre 1183 geradewegs aus Frankreich kommend, bei Bela III. erschien, um von ihm
Erlaubniß und Beistand zur Gründung des Eistercienserordens zu erbitten, stand das Kloster
der griechischen Nonnen schon längst leer und wurde den Eistercienser-Nonnen überwiesen.
Ladislaus der Heilige bereicherte das Bisthum Veßprem durch neue große
Douationen. Der Bischof wurde mittlerweile ständiger königlicher Kanzler und später
Erbkanzler der Königin. Ihm stand das ausschließliche Recht zu, die Königin zu krönen
und mit heiligem Öle zu salben. Bis zum Jahre 1272 pflegte man der Königin die
Krone Stefans des Heiligen auf das Haupt zu setzen; seitdem berührt man ihr damit nur
vor dem Altare die gesalbte rechte Schulter. Der Bischof von Veßprem ist Erbobergespan,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch