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die Ofner Zehnten weg, zur Strafe dafür, daß die Domherren unter Verletzung des
königlichen Rechtes einen ihrer Genossen, den Canoniens Zelandns, zum Bischof gewählt
hatten; immerhin macht sein unbewegliches Vermögen noch jetzt etwa 40.000 Katastral-
joch aus, die in den Comitaten Veßprem, Weißenburg. Zala und Somogy gelegen sind.
Außerdem verwaltet es bewegliches Gut von frommen Stiftungen im Betrage von
mehreren Millionen. Dieses Domkapitel ist ein alter beglaubigter Ort (loeus creäibilis)
des Landes und besitzt ein reiches Archiv trotz der verworrenen Zeitläufte so vieler Jahr-
hunderte. Der Reichstag des Jahres 1557 verlieh ihm ein neues beglaubigtes Siegel,
obwohl die Burg einige Jahre von den Türken besetzt gewesen war und seit ihrer Rück-
eroberung das Kapitel sich noch immer nicht recht einzurichten vermocht hatte, es also
eigentlich in Veßprem gar nicht snngiren konnte.
Der Reichstag des Jahres 1635 ordnete die Wiederherstellung des Kapitels an, da
es schon „längst aufgehört" habe. In der That hatte es bereits seit 1552, also 83 Jahre
lang, gefeiert. Nun begann es nach und nach wieder seine Thätigkeit als beglaubigter
Ort und Jnrisdiction.
Alle Gebäude der Festung und Stadt stammen aus späterer Zeit, die Gisela-Kapelle
jedoch beweist durch den ganzen Charakter ihrer Bauart, daß sie zur Zeit Stephans des
Heiligen erbaut sein mag; ohnehin hält die auch urkundlich bestätigte Überlieferung es
für zweifellos, daß eine Gisela-Kirche, zu der diese Kapelle gehörte, damals entstanden ist.
In dieser ihrer Kapelle verwahrte Königin Gisela, die Gattin Stephans des Heiligen,
ihre eigene Krone, die aus zwei Mark reinen Goldes verfertigt und mit Edelsteinen besetzt
war. In dieser Kapelle wird ein Mantel aufbewahrt, der nach der Überlieferung durch
Königin Gisela eigeuhäudig gestickt wurde. Bischof Rauolder ließ im Jahre 1867 auch
jenes goldene Ölbüchschen, aus dem er die Königin Elisabeth gesalbt hatte, hier hinter-
legen und aus dem Kleide, das diese Königin bei der Krönung getragen, für die Kapelle
eine Altardecke anfertigen. Die Gisela-Kirche ging im Jahre 1566 bei der Belagerung zu
Grunde, ihre kleine Kapelle aber blieb erhalten.
Die Beste gerieth im Jahre 1490 zum ersten Mal in Feindeshand. Kaiser Maximilian
fiel nämlich nach Matthias' Tode mit einem starken Heere in das Land ein und nahm
seinen Weg über Veßprem. Der Bischof und Burgherr Johann Vitez, ein Neffe des
gleichnamigen Erzbifchofs, ließ sich durch die Versprechungen Maximilians bewegen,
die Beste am 1. November 1490 ohne Schwertstreich zu übergeben. Doch nicht lange
befand sie sich im Besitz des deutschen Königs. Nachdem Maximilian Stuhlweißenburg
zerstört hatte, wurde er durch die Uubotmäßigkeit seines Heeres zum Rückzug gezwungen;
am 20. December nahm er wohl noch Paul Kiuizsis Burg zu Nagy-Väzsonkö und
zerstörte sie, gleichzeitig aber räumte er auch Veßprem uud verließ das Land.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch