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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 198 -
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198 die Ofner Zehnten weg, zur Strafe dafür, daß die Domherren unter Verletzung des königlichen Rechtes einen ihrer Genossen, den Canoniens Zelandns, zum Bischof gewählt hatten; immerhin macht sein unbewegliches Vermögen noch jetzt etwa 40.000 Katastral- joch aus, die in den Comitaten Veßprem, Weißenburg. Zala und Somogy gelegen sind. Außerdem verwaltet es bewegliches Gut von frommen Stiftungen im Betrage von mehreren Millionen. Dieses Domkapitel ist ein alter beglaubigter Ort (loeus creäibilis) des Landes und besitzt ein reiches Archiv trotz der verworrenen Zeitläufte so vieler Jahr- hunderte. Der Reichstag des Jahres 1557 verlieh ihm ein neues beglaubigtes Siegel, obwohl die Burg einige Jahre von den Türken besetzt gewesen war und seit ihrer Rück- eroberung das Kapitel sich noch immer nicht recht einzurichten vermocht hatte, es also eigentlich in Veßprem gar nicht snngiren konnte. Der Reichstag des Jahres 1635 ordnete die Wiederherstellung des Kapitels an, da es schon „längst aufgehört" habe. In der That hatte es bereits seit 1552, also 83 Jahre lang, gefeiert. Nun begann es nach und nach wieder seine Thätigkeit als beglaubigter Ort und Jnrisdiction. Alle Gebäude der Festung und Stadt stammen aus späterer Zeit, die Gisela-Kapelle jedoch beweist durch den ganzen Charakter ihrer Bauart, daß sie zur Zeit Stephans des Heiligen erbaut sein mag; ohnehin hält die auch urkundlich bestätigte Überlieferung es für zweifellos, daß eine Gisela-Kirche, zu der diese Kapelle gehörte, damals entstanden ist. In dieser ihrer Kapelle verwahrte Königin Gisela, die Gattin Stephans des Heiligen, ihre eigene Krone, die aus zwei Mark reinen Goldes verfertigt und mit Edelsteinen besetzt war. In dieser Kapelle wird ein Mantel aufbewahrt, der nach der Überlieferung durch Königin Gisela eigeuhäudig gestickt wurde. Bischof Rauolder ließ im Jahre 1867 auch jenes goldene Ölbüchschen, aus dem er die Königin Elisabeth gesalbt hatte, hier hinter- legen und aus dem Kleide, das diese Königin bei der Krönung getragen, für die Kapelle eine Altardecke anfertigen. Die Gisela-Kirche ging im Jahre 1566 bei der Belagerung zu Grunde, ihre kleine Kapelle aber blieb erhalten. Die Beste gerieth im Jahre 1490 zum ersten Mal in Feindeshand. Kaiser Maximilian fiel nämlich nach Matthias' Tode mit einem starken Heere in das Land ein und nahm seinen Weg über Veßprem. Der Bischof und Burgherr Johann Vitez, ein Neffe des gleichnamigen Erzbifchofs, ließ sich durch die Versprechungen Maximilians bewegen, die Beste am 1. November 1490 ohne Schwertstreich zu übergeben. Doch nicht lange befand sie sich im Besitz des deutschen Königs. Nachdem Maximilian Stuhlweißenburg zerstört hatte, wurde er durch die Uubotmäßigkeit seines Heeres zum Rückzug gezwungen; am 20. December nahm er wohl noch Paul Kiuizsis Burg zu Nagy-Väzsonkö und zerstörte sie, gleichzeitig aber räumte er auch Veßprem uud verließ das Land.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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