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auf dem Gipfel und Abhang des Mataes-Berges statt. Ali Beg und Abdullah, Sohn
des Großvezirs Sinan Pascha, wurden gefangen und nebst 5 Fahnen und 77 vornehmen
Gefangenen als Geschenk an den Erzherzog Ernst nach Wien geschickt. Im Jahre 1620
schenkte Gabriel Bethlen die Herrschaft Kenese und einige Güter bei Balatonsökajär seinem
mächtigen Anhänger, Peter Kenessey, dem Ahnherrn der Familie Kenessey, die in den
Comitaten Veßpröm, Weißenburg, Tolna und Somogy noch jetzt in Blüthe steht. Jetzt ist
Kenese im Zuge, sich als Badestation am Plattensee zu entwickeln und hat als solche
wohl eine glänzende Zukunft. Von der Straße aus, die von hier über den Gipfel des
Matacs nach Enying führt, eröffnet sich eine der schönsten Aussichten der Welt, die den
Plattensee mit Tihany und dem hinter diesem aufsteigenden Badacsony beherrscht.
Enying ist ein blühender, von wohlhabenden Bauern bewohnter Marktflecken; in
früherer Zeit war es Mittelpunkt der fürstlich Philipp Batthyäny'schen Herrschaft. Der
Volkscharakter dieser Gegend ist in Vas Gerebens Romanen prächtig geschildert. Enying
war einst römische Colonie und noch jetzt trifft der Pflug auf manches Denkmal der
Römerzeit. Die Familie der Török von Enying scheint ihren Stammsitz hier gehabt zu
haben. Dieses Geschlecht erhob sich durch Ambrus um das Jahr 1460 zu geschichtlicher
Bedeutung für das ganze Land. Matthias I. und später König Johann verliehen ihm
ungeheure Besitzungen. Ambrus' Sohn hieß Emerich, dessen Sohn war der berühmte
Valentin; dieser glänzte als Magnat, Heerführer und Diplomat, war Mitregent der
Königin Jfabella, Vormund Johann Sigismnnds und Begründer der Reformation in
den Comitaten Veßprsm, Zala und Somogy. Valentins Sohn war der heldenmüthige
Franz, dessen Sohn Stesan zu Ansang des XVII. Jahrhunderts noch einen großen Theil
der Herrschaften seiner Ahnen besaß. Nahe bei Enying liegt das wohlhabende Bauerndorf
Lajos-Komärom, eine durch den Fürsten Ludwig Batthyäny zu Anfang dieses Jahr-
hunderts geschaffene Ansiedluug. Unweit, an der Siö-Mündung, liegt Siosok, eine
Badestation des Plattensees, die einen großen Aufschwung nimmt.
Das reichste Dorf des Eomitats ist Szi las-Balhäs , dessen Gemarkung
24.000 Joch und mehrere stark bevölkerte Pußten umfaßt. Auf einer der letzteren,
der Pußta Tot, legten am 7. October 1848 die Generale Roth und Philippovic mit
8000 Mann vor dem Heere Moritz Perezels und Arthur Görgeis, das aus 4200 Mann
und einigen Bataillonen Nationalgarde bestand, die Waffen nieder. Die Geschichte hat
dieses Ereigniß als „Entwaffnung bei Ozora" verzeichnet, was auf einem Irrthum
beruht. Ozora nämlich liegt im Tolnaer Comitat am rechten Siö-Ufer, während die
Entwaffnung im Veßpremer Comitat am linken Siö-Ufer erfolgte.
Von Palota ausgehend, finden wir an der Mezöfölder Straße rechts das Heilbad
Peth, Es ist seit etwa 60 Jahren in Gebrauch, die Einrichtungen jedoch sind noch
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch