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Theil des Jahres hindurch außerhalb der Stadt. Zur Zeit der Frühjahrsarbeit zieht man
auf die Tanya (Gehöft) hinaus und kehrt zum Spätherbst in die Stadt zurück. Dies erklärt
auch die Vertheiluug des Grund und Bodens im Zalaer Comitat. Aber die Natur hat
daran nicht minder ihr Theil. Das Comitat hat wenig ebenes Land. Nur das Muraköz
(Murwinkel) bis Csakathurn und die Thäler der Mur, Lendva und zu geringem Theil
auch der Kerka sind als Ebene zu betrachten. Im Übrigen ist, mit Ausnahme einiger
kleiner Flächen, die ganze Oberfläche des Comitats waldig, bergig, wellig, wohl auch felsig
und das wellige Gebiet hundertfach von Bächen, Flüssen, Schluchten durchrissen. Eine
solche Bodengestalt verführt gleichsam den Menschen, auf jedem kleinen zusammenhängenden
und durch Bach, Schlucht oder Gebirg umhegten und gleichsam geschützten Fleck ein Dorf
für sich zu gründen. So schafft sich der Alsöldmeusch auf seinem eigenen Grundstück die
eigene Tanya.
In der Benennung der Dörfer und Pnszten sind die geschichtlichen, ethnographischen .
und geographischen Gründe maßgebend. Die Bevölkerung des Muraköz spricht kroatisch, da
sind also auch die Ortsnamen kroatisch und Ausnahmen kommen nur vor, wo, wie etwa bei
der Benennung von Perlak, Szerdahely, Csäktornya (Csakathurn) n. s. w., der Name, die
Macht und die Familiengeschichte irgend eines großen Herrn des Mittelalters die
Ständigkeit der magyarischen Benennung gesichert hat. In den Thälern der Mur und
Lendva wohnen Wenden, dort merkt man also den Ortsnamen die Sprache des Wenden-
volkes an, das übrigens dem kroatisch-slavischen Stamme zugehört. Sonst ist die
magyarische Benennung herrschend, und zwar fast ausschließlich. An Ausnahmen freilich
fehlt es nicht. Ausnahme ist Alles, was Rom hinterlassen hat und durch anderthalb
Jahrtausende noch nicht verwischt ist. So Mnra, Nova, Sala und noch andere Namen.
Ausnahme ist auch die Hinterlassenschaft der Slaven, so am Plattensee Paloznak, Csopak,
Tapoleza n. a. m. Deßgleichen die Familiennamen, die allerdings durch die Denkweise
des magyarischen Volkes nach der Natur der magyarischen Sprache abgeändert wurden.
In den Comitaten Eiseuburg, Zala, Somogy und Baranya, besonders aber in Zala,
begegnen wir bei der Bildung der Ortsnamen häusig den Worten und
Da sind z. B. Barabässzeg, Cserszeg, Egerszeg und noch etwa 18 Namen mit gleicher
Endung. bedeutet da eine Biegung, Schwenkung, eine Ecke (Wedlet), und zwar
die Biegung oder Ecke eines Flusses, steilen Abhanges, Thales, Bergvorsprunges oder
Weges. Genau wie das deutsche Bug oder Pug. Auf völlig flachem Lande bedarf es keiner
Abschwenknngen, das Wort kommt also in den Ortsnamen seltener vor. Höchstens
wo Flüsse eine Ecke bilden, wie etwa Tiszazng im Comitate Jasz-Nagy-Kun-Szolnok.
Und sieht man genau zu, so findet man wirklich dem Worte der Zalaer Orts-
namen entsprechend immer die Biegung eines Flusses, Bergvorsprunges oder Heerweges.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch