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Beste mit Belagerung bedroht, so wurde ihre Besatzung vervierfacht, ja verfünffacht,
wobei die Verstärkung besonders das Fußvolk betraf. Die Stände von Zala, erschreckt
namentlich durch den Fall Szigethvars, wandten sich im Jahre 1574 an den Reichstag um
Erlaubniß, vorwiegend Fußtruppen halten zu dürfen. Dieses Ersuchen wurde später nicht
wiederholt, da sie sich überzeugten, daß die Aufgabe besonders ihrer kleineren Festungen
darin bestand, die kriegerischen Bewegungen des Feindes auszuspähen und die kleineren
Beutezüge zu verhindern oder zu rächen, wozu aber insbesondere Reiterei nöthig war.
In Bezug auf Nemti gestattete der Reichstag, daß seine Besatzung von Steiermark gestellt
und erhalten werde. Kanizsa erhielt nach 1590 eine deutsche Besatzung und auch die
Leitung seiner Vertheidigung wurde in deutsche Häude gelegt. Bald aber wurde es von
den Türken genommen. Die deutschen, italienischen, wallonischen Söldner waren zwar
im Allgemeinen gute Soldaten und hatten kriegserfahrene Offiziere, solche Beispiele von
Heldenmuth jedoch, wie sie in den ungarischen Heeren unter den Zrinyi, Thnry, Gyulafsy,
Török, Nadasdy u. s. w. vorkommen, finden sich bei ihnen selten. Sie vertheidigten
nicht ihr Vaterland. Die meisten und größten Festungen des Landes wurden den Türken
durch Fremde ausgeliefert. Überdies verübten sie furchtbare Brandschatzungen, wenn ihr
Sold ausblieb, was freilich oft geschah. Daher die häufigen und wiederholten bitteren
Klagen der Reichstage im XVl. und XVII. Jahrhundert gegen die fremden Besatzungen
und Commandirenden, — Klagen, die nicht nur staatsrechtlich begründet waren, sondern
auch im Interesse der Landesvertheidigung und der Menschlichkeit erfolgten. Anderseits
konnte der königliche Hof oft doch nichts Anderes thun, als den Klagen gegenüber das
Ohr zu schließen. Das Ungemach infolge der türkischen Angriffe war häufig so schwer,
daß mau über die kleineren Übel hinwegsehen mußte.
Im Somogyer Comitat nisteten sich die Türken schon nach 1540 ein. Solange sich
Szigethvär und Baböcsa hielten, konnte das Comitat in den westlichen Theilen noch
bestehen und wirken. Nach ihrem Fall wurde dies alsbald unmöglich, weshalb der
Reichstag von 1596 die Regierung, Verwaltung und Rechtspflege von Somogy ins
Zalaer Comitat hinüber verlegte. Dieser Zustand blieb über 100 Jahre bestehen, bis
endlich der Reichstag von 1715 die Somogyer Behörden wieder herstellte und von Zala
lostrennte.
Im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert treten in Zala neue große Familien an
die Stelle der alten. Die Zrinyi, Nadasdy, Batthyäny, Szechenyi, Esterhäzy und zuletzt
die Festetits nehmen den Platz der Geschlechter Kanizsay, Bänffy, Szichy, Gynlaffy,
Gerfei-Pethö, Szent-Ghyralthi, Hagymässy, Pogäny, Lengyel, Sarkäny, Ördögh u. s. w.
ein und erheben sich den geänderten Verhältnissen gemäß zu nicht geringerer Macht. Die
Kämpfe um nationale Unabhängigkeit und verfassungsmäßige Freiheit berühren Zala
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch