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Buda und Csicsö irgend ein Ansiedlnngsverhältniß bestände. Csicsö zu Füßen liegt
Szeut-Antalsa, unter den Ärpäden, wenigstens bis in die Zeit Andreas' II. Besitzthnm
königlicher Hofleute, insbesondere königlicher Wolfsjäger.
Von hier weiter über Tagyos, an Zänka vorbei, gelangen wir an ein Becken,
dessen Oberfläche zwar uneben ist, das aber innerhalb eines vollkommenen Kreises von
Bergen gelegen dennoch eine einheitliche Ebene darstellt. In diesem Becken liegen mehrere
Dörfer des Namens Käl oderKälla: Köves-Källa, Szent -Bs-Käl la , einst Fanum
Sancti Benedicti, und Mindszent-Källa . Ohne Zweifel hat sich hier einst, vielleicht
schon bei der Eroberung des Landes ein Geschlecht Kal la niedergelassen. In diesem
Becken liegt noch Kövägö-Örs, von dem oben die Rede war, und südwestlich grenzt
daran, über Salsöld, ein Gebirge, das auf den Plattensee niederblickt und unter dem
Namen Abraham eine alte Niederlassung bildet. Nach urkundlicher Angabe war es unter
Andreas II. bis 1222 im Besitz von königlichen Hofleuten.
Im Egerthale liegt Petend, zu dem die Puszta Csöromfölde gehört, und kaum
einen Kilometer von Petend liegt im Thale des Egerbaches Kapoles, von dem ein Theil
den Namen Csörom führt. Diese beiden Ortsnamen erhalten das Gedächtniß der einst
reichbegüterten und mächtigen Familie Devecseri-Csöron. Andreas, im Jahre 1564
Obergespan von Veßprem, besaß im Veßpremer Comitat Devecser und Ugod, im Eisen-
burger Comitat Jänoshäza uud Egervär, im Zalaer Comitat Leseueze-Tomaj und einen
Theil von Füred, nebst mehreren Dörfern und Pnszten. Mit ihm starb die männliche
Linie der Familie aus. Heute gehört Petend den Grafen Esterhäzy von Papa, Kapvlcs
aber verschiedenen adeligen Kleinbesitzern.
Westlich von Kapolcs liegt, von engen Thälern durchschnitten, ein beinahe kreis-
förmiges, waldiges Plateau, dessen über 10.000 Joch großer Bestand von Eichen-,
Buchen- und Birkenwald noch vor wenigen Jahrzehnten einen zusammenhängenden Urwald
bildete. Wald und Gebirge heißen auf deu Karten Dobos, der richtige Name aber lautet
Dabas . Das ist ein Nest der Schweine- und Schafhirten, wo das uralte Hirtenleben des
Bakony noch heute in voller Ursprünglichkeit der Formen und Sitten gedeiht. Die Ver-
folgten der durch Classen- und Ständewesen zerstückelten alten Gesellschaft, die Ausreißer
vor dem Recruteufaug, die Entsprungenen der Kerker, die keinen Zwang ertragenden
Teufelsburschen, die Vergelter des Mißbrauches grundherrlicher Allmacht, sie alle haben
oft genug in dieser Waldwildniß Zuflucht gefunden, wenn die Pandnren-Lientenants des
Veßpremer und Zalaer Comitats sie aus anderen Gegenden herausgesprengt hatten. Das
Völkchen der Schweine- und Schafhirten selbst hat die Dieberei im Blute; für seine
größeren Gelage nimmt es gar zu gern den Braten aus fremder Schaf- und Schweineherde.
Und jene Landstriche, wo die Comitate Veßprem, Zala und Eisenburg zusammenstoßen,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch