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1601 bis 1659 unausgesetzt Sorge für Szigliget als wehrhafte Beste, die in der That
niemals von den Türken erobert wurde. Im Jahre 1672, bei einem gewaltigen Sommer-
gewitter, schlug der Blitz wiederholt in die Burg, wobei die Dächer verbrannten und ein
großer Theil dcr Maueru, namentlich der Thurm eiustürzte. Seitdem wurde die Burg nicht
wieder aufgebaut. Nach dem Erlöschen der Familie Lengyel gingen ihre ungeheuren Besitz-
tümer zu ungleichen Theilen durch Erbschaft in weiblicher Linie an die Familien Jnkey,
Graf Forgäch, Baron Putheäuy, Herteleudy, Svastics u. A., wie auch durch Kauf an die
Familien Graf Zichy, Wodiäner, Freistädtler n. s. w. über.
Westlich von Szigliget erreicht man am östlichen Fuße des Särkänyerdö Balaton-
Ed erics. Hier biegt das Ufer nach Südwesten ab und setzt sich erst bei Meszes-Györök
wieder in westlicher Richtung fort. Gleich bei der Györöker Biegung erblickt man zwischen
Ufer und Straße eine grabhügelartige Erhöhung, die eine kleine Kapelle trägt und von
Alexander Kisfaludy unter dem Titel: „Der Eremit von St. Michelsberg" besungen wurde.
Seitdem ist sie ein regelrechter Wallfahrtsort, wo sich alljährlich an einem gewissen Tage
das arme Volk der Umgegend znsammenschaart. Die Straße durchzieht dann die in Wein-
bergen zerstreut liegenden Dörfer Vonyarcz, Dias und Gyenes, um in das Thal der
Keszthelyer Bucht niederzusteigen, wo sie nach zweieinhalb Kilometer ebenen, geraden
Laufes zwischen Baumreihen die Stadt Keszthely erreicht.
Keszthely liegt in der nördlichen Ecke des westlichen Plattensee-Endes am Ufer
der Keszthelyer Bucht. Es ist eine alte Ansiedlung, die, nach den reichen Ergebnissen der
Grabungen, in römischer und hunnischer Zeit, ja selbst vorher schon ein großer Begräbniß-
platz, also auch ein großer Ansiedlungsort war. Zur Zeit der Könige aus Ärpäds Geblüt
und aus den gemischten Häusern führte es den Namen Gesztel. Durch die Reichstage von
1567, 1602 u. s. w. wurde es zu einer Grenzfestung des Landes erhoben und zu seiner
Befestigung Kriegsrobot verfügt. Es ist gegen Ost, Nord und West von einer sehr schönen,
fruchtbaren und wenig gewellten Ebene umgeben, die sich im Süden fast bis Kanizsa erstreckt
und in das Somogyer Eomitat hinüberreicht. Von Osten blickt der Petö-Gipfel des
Feketehegy (schwarzer Berg), von Norden der Gipfel Batthyanhät (Batthyän-Rücken) des
Eserszeg-Tomajer Gebirges auf die Stadt nieder, von welcher gute, zum Theil mit
prächtigen Baumreihen eingefaßte Straßen gegen Fenek, Pähok, Heviz, Sümeg und
Badacsony ausstrahlen. Es ist eine lebhafte, angenehme und hübsche Stadt mit Plattensee-
bad und überdies Central-Verwaltnngssitz der Festetits'schen Fideicommißgüter.
Die Familie Festetits war ursprünglich vornehmer kroatischer Adel, in die Reihe
der für das Land maßgebenden Geschlechter erhob sie sich zu Anfang des vorigen Jahr-
hunderts durch Josef Festetits, der im Erbfolgekriege Maria Theresias Regimentsinhaber
und Feldmarschall wurde und im Jahre 1749 den Grafenrang erhielt. Sein Bruder
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch