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Von Ende April bis Ende Mai wurde sie durch Nikolaus Zrinyi, Hohenlohe und
Strozzi belagert, allein vergeblich. Glücklicher und von vollem Erfolg gekrönt war die
Belagerung im Jahre 1690 unter den ungarischen Generalen Graf Adam Batthyany
und Stefan Zichy, welche die seit 90 Jahren in fremder Hand befindliche Festung Kanizsa
nach dreimonatlichen Anstrengungen und tapferer Gegenwehr der Türken am 13. April
wieder für Ungarn gewannen. Hierauf wurde die Stadt alsbald neu aufgebaut und
organisirt.
Das heutige sogenannte Klein-Kanizsa am westlichen Ufer des Kanizsaslnsses bestand
nämlich auch damals, hieß jedoch Räczväros (Raizenstadt). Im Jahre 1698 wurde es
mit Kanizsa vereinigt und vier Jahre später (1703), am Anfang des durch Raköczy II.
geführten Krieges, wurden die Festungswälle geschleift, die Gräben zugeschüttet, die
Festung zur offenen Stadt erklärt; nach längerer Zeit folgte dann die Regnlirnng all des
umherschweifenden Gewässers, des Kanizsaflusses wie der ihm zuströmenden Bäche,
dadurch waren die Sümpfe der Umgebung der Stadt trockengelegt und verwandelten sich
in reiche Wiesen, in ergiebige Äcker. So wurde aus Kanizsa, der uralten, mächtigen
Sumpffestung, eine moderne Stadt. Überraschend schnell erhoben sich hübsche Gebäude,
zahlreiche volkswirtschaftliche und Culturinstitute wurden gegründet, und diese rasche
Entwicklung hat Kanizsa zu einer der stattlichsten Provinzstädte Ungarns gemacht.
Südlich von Kanizsa liegt die Eisenbahnstation Mnra-Kereßtnr, von wo die
Linien nach Agram, Fünfkirchen und Kaposvär ausgehen.
Nordöstlich von Kanizsa ist noch ein kleiner, historisch interessanter Abschnitt des
Eomitats zu erwähnen. Es ist dies die Ber ek-Gegend (Haingegend) am rechten Ufer
der Zalamüudung, eine durchfeuchtete Ebene, deren Bachgewässer durch drei oder vier
Kanäle in die Zala bei Hidveg abgeleitet werden.
Kis-Komärom (Klein-Komorn) liegt südlich vom kleinen Plattensee, an der
Keszthely-Kanizsaer Landstraße und der Südbahn, an einer flachen Stelle des Thales,
durch das der Berekbach zieht. Es ist eine große blühende Ortschaft mit zwei volkreichen
Puszteu: Behijäk und Käpolna; Grundbesitzer ist das Pester geistliche Eentral-Seminar,
beziehentlich die Universität Budapest, die hier ungefähr 4600 und in den Gemarkungen
der Nachbargemeinden Garabonez, Karos und Komärväro s etwa 5700, zusammen
also über 10.000 ungarische Joch besitzt. Im XVI. Jahrhundert gehörte die Gegend ständig
dem Bisthum Veßprem. In alter Zeit war sie durch eine Beste zwischen den Sümpfen
geschützt.
Balaton-Magyaröd, auf ebener, einst sumpfiger Fläche in der Nähe der Zala-
mündnng, war einst ein kleines Fort, das sich als weiteres Hinderniß gegen die türkischen
Ranbschaaren geltend machte.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch