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die Krankheiten des Thierchens kennen: die Körperchenkrankheit, Schlaffsncht, Kalksucht,
Schwindsucht, Gelbsucht, deren Ende der natürliche Tod ist. . .
Die Jnspeetion sieht mit Befriedigung, wie das Ergebniß sich von Jahr zu Jahr
entwickelt, höchstens hat sie einmal eine stille Klage gegen den Nachbar. Dieser ist nämlich
das Volk des Pester und Bäeser Comitats, von dem mehr zu erwarten wäre, da der
dortige Boden den Maulbeerbaum liebt und diese Bevölkerungen, wenn sie wollten, in
der Seidenzucht das halbe Land übertreffen könnten. Allein so ist der magyarische
Hofbürger; es scheint ihm heute noch unter seiner Würde, sich mit solchem für Italiener
geschaffenen Gewürm abzugeben, einem Anderen aber wird er nicht leicht gestatten, seine
Manlbeerbänme kahl zu rupfen.
Fährt man von Szegzärd südwärts, links vorbei an dem uralten Rüsterbaum, den die
Überlieferung als „Baloghs Baum" mit dem Namen des Kurutzengenerals Adam Beri-
Balogh verknüpft, so gelangt man in gerader Richtung nach Bättaßek, und auf dieser ganzen
Strecke sind die Bergabhänge mit hübschen, ja geschmackvollen Kelterhäusern und Villen
gesprenkelt. Jeder einzelne Bewohner von fünf oder sechs volkreichen Gemeinden hat hier
seinen Weinberg, der heute freilich ein Knkurntzacker ist, und am Fuße des Weinbergs Haus,
Stall und Schweinekoben, besser als daheim. Das Volk dieser Gegend führt zwei Haus-
halte, je nach der verschiedenen Jahreszeit: einen daheim im Dorfe und einen auf dem
Berge. Der letztere wird behaglicher eingerichtet als der erstere, denn auf den Berg geht
man zur Erholung und selbst die Beschäftigung ist da, wenn auch Arbeit, doch nur Wein-
gartenarbeit, die als halbe Unterhaltung gelten darf; unter schattigem Laubdach, ohne
jene Eile betrieben, wie die Feldarbeit sie erfordert, geht sie spielend von statten. Über-
dies haben sie hier von der Ernte bis zur Weinlese ihre Villeggiatnr; hieher geht ihr
Ausgang, hier ist ihr Luftbad, hier haben sie ihre „Woche" der Tranbenwacht, besonders
das jüngere Weibsvolk, das dabei gemächlich stricken, nähen, seine Tücher, Spitzen und
Linnen ausbessern kann.
Von den Abhängen dieser Bergkette übersieht man das ganze Särközland — diese
über 100 Quadratkilometer große Ebene von fruchtbarer schwarzer Erde, die sich von
Paks bis Bätta zu beiden Seiten der Donau ausdehnt, hier durch die Szegzarder Berge,
dort durch die Sandhügel des Pester Comitats begrenzt und vom Volk für das Becken
des einstigen Süßwassermeeres gehalten. Ihren Namen hat diese Ebene von dem oben
erwähnten Särvizslnß, doch ist zu bemerken, daß dieser Name sich auch auf einige Gemeinden
der dem Pester Eomitat zugehörigen Seite erstreckt, wo doch keinerlei Särviz vorkommt;
die Benennung mag auf Grund der Stammeszusammengehörigkeit auch auf sie über-
gegangen sein, denn daß sie zusammengehören, ist durch die Gleichheit von Tracht, Sitten
Mundart und Religion klar bewiesen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch