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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 286 -
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286 die Krankheiten des Thierchens kennen: die Körperchenkrankheit, Schlaffsncht, Kalksucht, Schwindsucht, Gelbsucht, deren Ende der natürliche Tod ist. . . Die Jnspeetion sieht mit Befriedigung, wie das Ergebniß sich von Jahr zu Jahr entwickelt, höchstens hat sie einmal eine stille Klage gegen den Nachbar. Dieser ist nämlich das Volk des Pester und Bäeser Comitats, von dem mehr zu erwarten wäre, da der dortige Boden den Maulbeerbaum liebt und diese Bevölkerungen, wenn sie wollten, in der Seidenzucht das halbe Land übertreffen könnten. Allein so ist der magyarische Hofbürger; es scheint ihm heute noch unter seiner Würde, sich mit solchem für Italiener geschaffenen Gewürm abzugeben, einem Anderen aber wird er nicht leicht gestatten, seine Manlbeerbänme kahl zu rupfen. Fährt man von Szegzärd südwärts, links vorbei an dem uralten Rüsterbaum, den die Überlieferung als „Baloghs Baum" mit dem Namen des Kurutzengenerals Adam Beri- Balogh verknüpft, so gelangt man in gerader Richtung nach Bättaßek, und auf dieser ganzen Strecke sind die Bergabhänge mit hübschen, ja geschmackvollen Kelterhäusern und Villen gesprenkelt. Jeder einzelne Bewohner von fünf oder sechs volkreichen Gemeinden hat hier seinen Weinberg, der heute freilich ein Knkurntzacker ist, und am Fuße des Weinbergs Haus, Stall und Schweinekoben, besser als daheim. Das Volk dieser Gegend führt zwei Haus- halte, je nach der verschiedenen Jahreszeit: einen daheim im Dorfe und einen auf dem Berge. Der letztere wird behaglicher eingerichtet als der erstere, denn auf den Berg geht man zur Erholung und selbst die Beschäftigung ist da, wenn auch Arbeit, doch nur Wein- gartenarbeit, die als halbe Unterhaltung gelten darf; unter schattigem Laubdach, ohne jene Eile betrieben, wie die Feldarbeit sie erfordert, geht sie spielend von statten. Über- dies haben sie hier von der Ernte bis zur Weinlese ihre Villeggiatnr; hieher geht ihr Ausgang, hier ist ihr Luftbad, hier haben sie ihre „Woche" der Tranbenwacht, besonders das jüngere Weibsvolk, das dabei gemächlich stricken, nähen, seine Tücher, Spitzen und Linnen ausbessern kann. Von den Abhängen dieser Bergkette übersieht man das ganze Särközland — diese über 100 Quadratkilometer große Ebene von fruchtbarer schwarzer Erde, die sich von Paks bis Bätta zu beiden Seiten der Donau ausdehnt, hier durch die Szegzarder Berge, dort durch die Sandhügel des Pester Comitats begrenzt und vom Volk für das Becken des einstigen Süßwassermeeres gehalten. Ihren Namen hat diese Ebene von dem oben erwähnten Särvizslnß, doch ist zu bemerken, daß dieser Name sich auch auf einige Gemeinden der dem Pester Eomitat zugehörigen Seite erstreckt, wo doch keinerlei Särviz vorkommt; die Benennung mag auf Grund der Stammeszusammengehörigkeit auch auf sie über- gegangen sein, denn daß sie zusammengehören, ist durch die Gleichheit von Tracht, Sitten Mundart und Religion klar bewiesen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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