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so sieht es nur von weitem schön ans, besonders wenn es auf dem Rasen (Ms?c» — Spiel-
plan) zu Hunderten Hand in Hand nach einer Liedweise den Neigen tanzt. Dem ungarischen
Volke gelten rothe Wangen als schön, und auf weite Strecken hin findet man nicht so viele
„schöne rothe Männer" und „schöne rothe Weiber" wie im Särközseg. Ist das die Race
oder das Wasser, der Wem, das weiße Brot: wer wüßte es zu sagen? Vielleicht tragen
alle vier Factoren dazu bei, und überdies noch ein fünfter, von dem schon einmal erwähnten
Pater Ubaldus beobachteter: .Lonckimentum cidorum est una rubra bestia, «zuam
bobriAÄ voeant, se6 mordet, sieut ^adc»Ius.° (Die Würze ihrer Speisen ist eine rothe
Bestie, die sie dobriFa, Paprika, nennen und die beißt wie der Teufel.) Nun, die rubra
destia ist noch reichlich vorhanden, auch an Wasser und Brot fehlt es nicht, den Wein
jedoch liefern die Berge nicht mehr dazu. Und die „Race" ist unfruchtbar auf diesem
fruchtbaren Boden. Ihre volkreicheren Ortschaften sind: O cseny, in der diphthongisirenden
Mundart Eöcsöny genannt, und Decs mit einer schönen alten romanischen Kirche, die,
laut der vorne angebrachten Inschrift, nach der Knrntzenverheerung (Aufstand des Dözsa)
1517 erneuert worden ist; in der Gemarkung von Decs befindet sich eine Bnrgstätte,
Namens Lte-vür, das einzige Andenken des Feldherrn Ete, der von Ärpäd diesen Land-
strich zum Geschenk erhalten; weiter unten P i l i s und Nyek, endlich am untersten Ende
des Comitats das schon erwähnte Bäta . Am Rande des Särközseg, schon fast am Fnße
der Berge, liegt das breitstraßige Bättaßek, das sammt den umliegenden Ortschaften
Besitzthum des Theresiannms ist und auch als dessen Herrschaftssitz dient.
In der Nähe von Bättaßek, längs der in Windungen nach Bonyhäd ziehenden
Eisenbahn, liegt rechterhand in stillem Thale verborgen ein ruhiges Asyl für müde
Seelen und eine freundliche Herberge vorsprechender Wanderer: Kloster Gräbocz; es ist
das einzige Kloster der Griechisch-Nichtuuirten in einem solchen Comitate dieses Landes-
theiles, in dem jenes Bekenntniß, mit Ausnahme von Medina, fast gar keine Anhänger
mehr hat. Das Kloster liegt im Schatten des Oriäshegy (Riesenberg), der aber nur in
Tolna als riesig gelten kann, da er nicht über 300 Meter hoch ist. Das Kloster wurde vom
Szegzärder Abt Merey erbaut. Wenig weiter, rechts des Schienenstranges, liegen Thal
und Ruine Czikö-Szöplak, wo ein Theil der Geschichtschreiber Czikador, die berühmte
Abtei der Zirczer sucht, während die Übrigen es richtig dicht neben Bättaßek versetzen.
Ob hier, ob dort, nnter den Mauern dieser Abtei wurde die blutige Schlacht zwischen
Johannes Huuyadi und dem Anhänger der Königin Elisabeth, Ladislaus Gara, geschlagen;
der gänzlich geschlagene Gara mnßte sein Heil in eiliger Flucht nach Gran suchen.
In diesem ganzen Landestheile ist die Zahl der gebundenen Güter sehr groß. Im
Süden liegen die Battaßeker Herrschaft des Theresiannms und die Szegzärder Herrschaft
des Universitätsfonds. In der Mitte folgen die Pakser und Duua-Szeut-Györgyer Güter
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch