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Es ist ein Comitat ohne Städte, selbst noch in halbvergangener Zeit. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts besaß das ganze schöne Comitat noch keine einzige Stadt. Das
Recht der eigenen Behörde hatte keine einzige Ortschaft, denn mit Ausnahme einiger
kleiner Nester des niederen Adels standen sie alle unter gutsherrschaftlicher Gewalt; auch
erreichte keine die Zahl von 3.000 Seelen oder mit einzelnen Ausnahmen auch nur die
von 1000. Seine Märkte, an drei Ecken seines Gebietes gelegen, sind Fünfkirchen,
Veszprem und besonders Kanizsa, aber alle lagen außerhalb des Comitats. Blos die Sitze
der größeren Herrschaften, mit den Wirthschaftswohnungen, den unter ihrem Schutze
stehenden, auf eine bestimmte Anzahl beschränkten Juden uud drei oder vier öffentlichen
Jahrmärkten zeigten ein gewisses städtisches Ansehen, mit Marktgelegenheit.
Es ist ein Comitat ohne Steine, an seiner ganzen Oberfläche zeigt sich keinerlei
festeres Gebilde. Sein gelber und schwarzer Lehmboden ist durch eine lange und breite
Sandfläche eutzwei geschnitten, die sich von der großen Au des Plattensee's südwärts bis
an die Drau erstreckt.
Es ist ein waldreiches Comitat. Beinahe ein Drittel seines Gebiets ist mit
Waldungen bedeckt. Noch jetzt gilt das Sprüchlein: nicht die Wälder liegen in Somogy,
sondern Somogy liegt in den Wäldern.
Es ist ein Comitat, das eine ebene Fläche bildet. Scheinbar wenigstens, denn
eigentlich ist es eine Hochebene, wie die Wissenschaft das nennt, und ein buckliges oder
holperiges Land, wie das Volk sagt; eine flache hohe Ebene in der Mitte des Comitats
und dann eine wellig-hüglige Fläche gegen die mehr bergigen Striche hin. Denn
Somogy hat auch Berge und die Ebenen sind durch die in den drei Ecken des Comitats
befindlichen drei Berggruppen umfaßt, doch sind diese mit Wald und Weingärten bedeckten
Höhen im Allgemeinen niedrig; nur wenige steigen zu anmnthigen Kuppen oder Gipfeln
empor und wenige kommen einer Höhe von 300 Metern nahe oder wachsen gar über
sie hinaus.
Der Ursprung des Namens Somogy ist unsicher. Ob er von dem Personennamen
„Soma" herzuleiten sei oder von einem slavischen Worte, welches Wald bedeutet,
oder von der herben Frucht der Kornelkirsche (svm), wäre schwer zu entscheiden. Möglich,
daß das Wort darin tändelt. Auch berufen sich die Freunde dieser Wortableitung
auf die mannsdicken, vielhundertjährigen Kornelkirschbäume, welche hier und dort und
besonders in der Gegend von Somogyvär, der einstigen Burg des Comitats, noch jetzt zu
sehen sind. Diese nämliche Theorie ist in einem sprichwörtlich gewordenen Versepaar aus-
gedrückt, worin das Volk des schönen Comitats der Welt in ungünstigem Lichte dargestellt
wurde. Ein seinerzeit vortreffliches Lehrbuch, der ,Hürmas Xislükür« (Dreifache kleine
Spiegel), der achtzig Jahre lang die Herrschaft führte und dessen Behauptungen ins
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch