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Wie man sieht, ist der Harsänyer Berg, von der Südseite studirt, eine räthselhaste
Chimäre, ein von Znmak-Schlangen bewohntes und vom Teufel aufgeackertes blaues
Wunder; er schnaubt sogar Feuer, in Gestalt von Wein; sein Rücken aber ist die greifbare
ernste Wirklichkeit, ein dichter, tiefschattiger Hochwald, und auf seiner Kuppe steht die
Ruine einer Burg, die einst dem Parteigänger Kont gehört hat. Es mag eine enge
Burg gewesen sein, da oben auf der plateaulosen Spitze. Von ihren Mauern ist noch
an der Nordseite ein halbkreisförmiges Fundament zu sehen.
Die Burg ist dahin, doch ihre Besatzung hat sich von Geschlecht zu Geschlecht
erhalten; am Fuße der Mauer steht die Belladonna (Schönfrauentraube, ^tropa bella-
äonns)- und lauert mit tödtenden Augen umher, uud der Stahlhelm des Eisenhuts
(Heldenblume, ^conituin napellus) schimmert violett in der Sonne. Im Hof ein ein-
gestürzter Brunnen, von dem auch Verancsics die Mär erzählt, daß eine hineingeworfene
Ente nach Tagen in der Dran zum Vorschein kommt, natürlich nicht in den Tagen
Verancsics' oder gar den unseren, sondern dazumal, als Satanas die Bergflanke pflügte.
Als einziges Thatsächliches unter so vielem Gefabel steht in einen bemoosten Felsen
eingegraben zu lesen: „Lvmites Lasimirus et Kustuvus Lattk^än^". So weit von hier
aus das Auge reichte, in Süd und West, gehörte ihnen die ganze Bergkette und was sich
rechts und links als Abhang daran lehnte, desgleichen die ganze Ebene hinaus nach
Westen bis zur aufblitzenden Dran, und das Alles war nur ein kleiner Theil ihres
Besitzthums, vor 50 Jahren, als ihre Namen in diesen Felsen eingemeißelt wurden.
Dieser Berg ist also das Wappenschild, sozusagen die Auslage der ganzen Kette,
nnd in der Auslage liegt zu Füßen des Gebirges noch eine niedrigere, lange Hügelreihe,
vom Scheitel bis zur Zehe mit Weinlaub drapirt uud hier und da mit niedlichen Kelter-
häuschen besetzt, welche Landhäusern gleichen. In den Fuß desVil länyer Berges
sind die Kellerreihen der Villänyer gehöhlt, weiter oben jedoch sind die baumlosen Abhänge
ein Rebengelände, dessen große Tafeln, gediegene Weinpfähle und wohlgepflegte Pfade
erkennen lassen, daß sie keinen armen Leuten gehören. In der That ist das größte
Weingut, mit Prächtig gebauter Kellerei, Eigenthum des Erzherzogs Albrecht, dessen
Bellyeer Domäne sich mit einem Zipfel hieher erstreckt und das ganze Draneck
zwischen Esseg, Mohäcs und Villäny umfaßt. Sein Wein ist weltbekannt, obgleich die
Harsänyer Leutchen sagen: „Noch besser wäre der Kopärer Wein, wenn er einen so
hohen Herrn hätte, wie der da." Sicher ist, daß die ganze Südseite der Bergkette
gleichwerthigen Rothwein hervorbringt; der Villänyer wird dnrch die Manipulation über
die anderen erhoben.
Eine Meile südöstlich von der Harsänyer Kuppe, gegen das Überschwemmungsgebiet
der Drau hin, steht vereinzelt ein breiter, niedriger Berg; es ist das an kleinen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch