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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 328 -
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328 Wie man sieht, ist der Harsänyer Berg, von der Südseite studirt, eine räthselhaste Chimäre, ein von Znmak-Schlangen bewohntes und vom Teufel aufgeackertes blaues Wunder; er schnaubt sogar Feuer, in Gestalt von Wein; sein Rücken aber ist die greifbare ernste Wirklichkeit, ein dichter, tiefschattiger Hochwald, und auf seiner Kuppe steht die Ruine einer Burg, die einst dem Parteigänger Kont gehört hat. Es mag eine enge Burg gewesen sein, da oben auf der plateaulosen Spitze. Von ihren Mauern ist noch an der Nordseite ein halbkreisförmiges Fundament zu sehen. Die Burg ist dahin, doch ihre Besatzung hat sich von Geschlecht zu Geschlecht erhalten; am Fuße der Mauer steht die Belladonna (Schönfrauentraube, ^tropa bella- äonns)- und lauert mit tödtenden Augen umher, uud der Stahlhelm des Eisenhuts (Heldenblume, ^conituin napellus) schimmert violett in der Sonne. Im Hof ein ein- gestürzter Brunnen, von dem auch Verancsics die Mär erzählt, daß eine hineingeworfene Ente nach Tagen in der Dran zum Vorschein kommt, natürlich nicht in den Tagen Verancsics' oder gar den unseren, sondern dazumal, als Satanas die Bergflanke pflügte. Als einziges Thatsächliches unter so vielem Gefabel steht in einen bemoosten Felsen eingegraben zu lesen: „Lvmites Lasimirus et Kustuvus Lattk^än^". So weit von hier aus das Auge reichte, in Süd und West, gehörte ihnen die ganze Bergkette und was sich rechts und links als Abhang daran lehnte, desgleichen die ganze Ebene hinaus nach Westen bis zur aufblitzenden Dran, und das Alles war nur ein kleiner Theil ihres Besitzthums, vor 50 Jahren, als ihre Namen in diesen Felsen eingemeißelt wurden. Dieser Berg ist also das Wappenschild, sozusagen die Auslage der ganzen Kette, nnd in der Auslage liegt zu Füßen des Gebirges noch eine niedrigere, lange Hügelreihe, vom Scheitel bis zur Zehe mit Weinlaub drapirt uud hier und da mit niedlichen Kelter- häuschen besetzt, welche Landhäusern gleichen. In den Fuß desVil länyer Berges sind die Kellerreihen der Villänyer gehöhlt, weiter oben jedoch sind die baumlosen Abhänge ein Rebengelände, dessen große Tafeln, gediegene Weinpfähle und wohlgepflegte Pfade erkennen lassen, daß sie keinen armen Leuten gehören. In der That ist das größte Weingut, mit Prächtig gebauter Kellerei, Eigenthum des Erzherzogs Albrecht, dessen Bellyeer Domäne sich mit einem Zipfel hieher erstreckt und das ganze Draneck zwischen Esseg, Mohäcs und Villäny umfaßt. Sein Wein ist weltbekannt, obgleich die Harsänyer Leutchen sagen: „Noch besser wäre der Kopärer Wein, wenn er einen so hohen Herrn hätte, wie der da." Sicher ist, daß die ganze Südseite der Bergkette gleichwerthigen Rothwein hervorbringt; der Villänyer wird dnrch die Manipulation über die anderen erhoben. Eine Meile südöstlich von der Harsänyer Kuppe, gegen das Überschwemmungsgebiet der Drau hin, steht vereinzelt ein breiter, niedriger Berg; es ist das an kleinen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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