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nicht etwa vor dem Türken hieher (in den Rachen des Türken!), sondern es war der
Jnstinct der Zusammengehörigkeit durch Race und Religion, der sie herüberzog.
Nach den Magyaren sind an Zahl die Deutschen die stärksten; in Somogy wohnen
sie zerstreut und nur in wenigen Gemeinden, in Tolna und Baranya dagegen besetzten
sie ein fest zusammenhängendes Gebiet auf jenem bandartigen Streifen, der sich zwischen
den Meridianen 36° 10' und 36° 20' von Simontornya bis Därda hinabzieht. Sie sind
ein sparsamer, fleißiger, fruchtbarer und umgreifender Schlag, der seinen Boden gut bebaut.
Der stattliche griechisch-orientalische Serbe und der freundliche Schokatze, dieser
beste Gevatter des Magyaren, der in jedem Dorfe ein Haus, das heißt einen Bekannten
hat, mit dem er in Gastfreundschaft lebt (das römische kospitium), haben sich nach
Vertreibung der Türken an der Donau und Drau niedergelassen; sie sind nicht so
widerstandsfähig, als es scheint, und wo sie mit anderen Stämmen vermischt leben, nimmt
ihre Zahl ab oder sie verschmelzen mit jenen.
Auch die Geschichte der drei Komitate in der Meesekgegend ist von einem Gesichts-
punkte aus einzig. Seit Kupas Aufstand kannten sie 500 Jahre lang keinen Krieg. In
diesem Lande des Friedens fanden, die Alles verloren hatten, ein Salomon, ein Bela der
Blinde, ihre Ruhe; Flüchtigen und Verfolgten, wie auch siegesmüden Königen bot sich
Erholung. Ihre treuen Diener, ihre Verwandten belohnten sie hier durch Dotationen und
Gespanschaften. Während rings an den Grenzen Deutsche, Cechen und Tataren hausten,
im Innern aber aufrührerische Kumaueu und Magnaten tobten, ließ hier der Friede Cultur
und Wissenschaft gedeihen und das Volk sich mehren.
Schrecklich sollte es sich wenden. Die reichen Ebenen wurden Schlachtfelder, in den
Thälern floß nicht Milch und Honig mehr, sondern Blut, fast zwei Jahrhunderte lang.
Die türkische Fluth durchbrach bei Bellye den Damm uud theilte sich dort in zwei
Arme, die das Land überschwemmten. Von da an iter est bellis, quoties kortunu
lueessit. . . (1>uc.)" (Dies ist die Bahn der Kriege, so oft Fortuna uns neidisch).
Die Bahn der Kriege. Schon die Römer haben sie gebahnt; hier zog ihre Straße
von Aquiucnm nach Syrmium, für die sie unterhalb Bellye's eine stehende Brücke bauten.
Die Fläche vor dem einstmaligen Brückenkopf heißt beim Volke noch jetzt „Weg der Heere"
(Iiuclak ulju) und die noch sichtbaren Spuren der einst 10 Klafter breiten und 10 Klafter
hohen Heerstraße heißen „Teufelsweg" (öräüA utju). Zwar nicht auf den Spuren, doch in
der Richtung dieser alten Straße ließ Maria Theresia auf 20 Meter breiter Sohle die
viereinhalb Kilometer lange uud durchschnittlich dreieinhalb Meter hohe Kuuststraße
erbauen, an deren Ende ein mit den Bildnissen der Königin und Kaiser Josefs geschmückter
Jnschriftstein steht. Auch Suleymau ließ hier seine Brücke schlagen, die dann ein ständiger
strategischer Punkt der türkischen Angriffe blieb und deren Verbrennung (1660) die größte
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch