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die weich und wellig hingleitende Sprache etwas Singendes bekommt, die Neigung zum
Dehnen („guid'u Muriug" — guten Morgen, „a snlicha" — ein solcher, „hiazat" —
jetzt, „Kanch" — Koch, „Beischof" --- Bischof), der Doppellaut „ui" („Ntuida" —
Mutter, „Krui" — Krug, „huischt'n" — husten), die Form „si" (— es) des persönlichen
Fürworts n. s. w. Auch fallen viele eigenthümliche Ausdrücke auf, so heißt der Dienstag
„Jarti, Jrita" (Eru, Tyr, Ziu ist bei den alten Germanen der Gott des Kampfes) und
der Donnerstag „Pfinsta". Die Leute von Wiesen (Mtsalva) pflegen ihre Worte zu
wiederholen („Nepetirheanzen"). Auch nach dem Zeugniß der Mundart sind die Hienzen
nicht ostwärts gedrungenes österreichisch-steierisches Element, obgleich auch diese Völker-
bewegung bei ihrer Bildung mitgespielt hat, sondern ein in Masse übersiedelte? Zweig
eiues besonderen (fränkischen?) Stammes.
Auf Grund dieses eigenartigen Dialectes ließe sich die Verbreitung der Hienzen
ziemlich sicher bestimmen, doch haben die Forschungen darüber noch zu keinem allgemein
anerkannten Ergebniß geführt. Manche zählen auch die „Heidebaueru" des Wiesel-
burger Comitats, Andere das ganze Ödenbnrger Comitat hinzu, vou dem aber eigentlich
nur die Gegend südlich und südöstlich von der Stadt Ödenbnrg hiehergehört. Am Neusiedler
See wohnen „Spiegelheanzen". Die östliche Grenze ist die Günser Gegend, die südliche
Dobra und St. Gotthard. Der Kern der Hienzen jedoch bewohnt die westliche Berg-
gegend des Eisenburger und die südwestliche des Ödenbnrger Comitats, die sogenannte
„Pnglate Welt".
In diesem Berglande galt es Urwälder auszuroden. Die Äcker erklimmen mitunter
steile Lehuen und lohnen den sauren Schweiß stellenweise blos mit etwas Hafer und
Kartoffeln. Die engen Thalgründe sind meist sumpfige Wiese. Ein romantisches, aber
ärmliches Land. Den Bewohnern sieht man das harte Ringen um Brot au. Es sind
zumeist hohe, hagere, etwas vorgebeugte Gestalten aus Knochen und Sehnen. Das Gesicht
ist läuglich, das Profil scharf geschnitten, mit starker Nase, breitem Munde, schmalen
Lippen, oft etwas hervorstehender Oberlippe und schmalem, doch regelmäßigem Kinn.
Die Burschen haben nicht selten einen strammen Wuchs, schönen Kopf und ein intelligentes
Gesicht mit schwachem Barte; wenn sie aber früh heiraten und die Wirthschaft über-
nehmen, beugt sie die schwere Arbeit bald und die Sorge fnrcht ihr Antlitz. Auch die Weiber
sind unr als Mädchen hübsch; Familie, Hanshalt und Wirthschaft, eine dreifache Last,
machen sie schon mit 30 Jahren alt. Diesen Verhältnissen entspricht auch ihre Gemüthsart.
Der Hieuze ist oft verschlossen, wie die Schlupfwinkel seiner Berge, wie so manches Dorf,
zu dem das Bett des Baches noch vor wenigen Jahren als einziger Pfad führte. Eine
Geschichte voll Uubildeu und ein Leben voll Kämpfe haben ihn mißtrauisch gemacht.
Bildung und Reisen haben ihm das Gute, die Behaglichkeit kennen gelehrt, die Armuth
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch