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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 393 -
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893 die weich und wellig hingleitende Sprache etwas Singendes bekommt, die Neigung zum Dehnen („guid'u Muriug" — guten Morgen, „a snlicha" — ein solcher, „hiazat" — jetzt, „Kanch" — Koch, „Beischof" --- Bischof), der Doppellaut „ui" („Ntuida" — Mutter, „Krui" — Krug, „huischt'n" — husten), die Form „si" (— es) des persönlichen Fürworts n. s. w. Auch fallen viele eigenthümliche Ausdrücke auf, so heißt der Dienstag „Jarti, Jrita" (Eru, Tyr, Ziu ist bei den alten Germanen der Gott des Kampfes) und der Donnerstag „Pfinsta". Die Leute von Wiesen (Mtsalva) pflegen ihre Worte zu wiederholen („Nepetirheanzen"). Auch nach dem Zeugniß der Mundart sind die Hienzen nicht ostwärts gedrungenes österreichisch-steierisches Element, obgleich auch diese Völker- bewegung bei ihrer Bildung mitgespielt hat, sondern ein in Masse übersiedelte? Zweig eiues besonderen (fränkischen?) Stammes. Auf Grund dieses eigenartigen Dialectes ließe sich die Verbreitung der Hienzen ziemlich sicher bestimmen, doch haben die Forschungen darüber noch zu keinem allgemein anerkannten Ergebniß geführt. Manche zählen auch die „Heidebaueru" des Wiesel- burger Comitats, Andere das ganze Ödenbnrger Comitat hinzu, vou dem aber eigentlich nur die Gegend südlich und südöstlich von der Stadt Ödenbnrg hiehergehört. Am Neusiedler See wohnen „Spiegelheanzen". Die östliche Grenze ist die Günser Gegend, die südliche Dobra und St. Gotthard. Der Kern der Hienzen jedoch bewohnt die westliche Berg- gegend des Eisenburger und die südwestliche des Ödenbnrger Comitats, die sogenannte „Pnglate Welt". In diesem Berglande galt es Urwälder auszuroden. Die Äcker erklimmen mitunter steile Lehuen und lohnen den sauren Schweiß stellenweise blos mit etwas Hafer und Kartoffeln. Die engen Thalgründe sind meist sumpfige Wiese. Ein romantisches, aber ärmliches Land. Den Bewohnern sieht man das harte Ringen um Brot au. Es sind zumeist hohe, hagere, etwas vorgebeugte Gestalten aus Knochen und Sehnen. Das Gesicht ist läuglich, das Profil scharf geschnitten, mit starker Nase, breitem Munde, schmalen Lippen, oft etwas hervorstehender Oberlippe und schmalem, doch regelmäßigem Kinn. Die Burschen haben nicht selten einen strammen Wuchs, schönen Kopf und ein intelligentes Gesicht mit schwachem Barte; wenn sie aber früh heiraten und die Wirthschaft über- nehmen, beugt sie die schwere Arbeit bald und die Sorge fnrcht ihr Antlitz. Auch die Weiber sind unr als Mädchen hübsch; Familie, Hanshalt und Wirthschaft, eine dreifache Last, machen sie schon mit 30 Jahren alt. Diesen Verhältnissen entspricht auch ihre Gemüthsart. Der Hieuze ist oft verschlossen, wie die Schlupfwinkel seiner Berge, wie so manches Dorf, zu dem das Bett des Baches noch vor wenigen Jahren als einziger Pfad führte. Eine Geschichte voll Uubildeu und ein Leben voll Kämpfe haben ihn mißtrauisch gemacht. Bildung und Reisen haben ihm das Gute, die Behaglichkeit kennen gelehrt, die Armuth
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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