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Mehr als die Hälfte (50 56 Procent) des Comitatsgebiets ist Ackerland, was
283.443 Katastraljoch entspricht, da das ganze Coinitat 3,307'19 Quadratkilometer
560 608 Katastraljoch ausmacht. Das Meiste davon liegt in der Raaban. Unter den
Getreidearten steht der Herbstweizen voran; die Gerste kommt an Güte der mährischen
gleich, der Roggen ist gleichfalls vorzüglich. Mit Zuckerrüben, einem wichtigen Prodnet
des Comitats, sind an 20.000 Joch bepflanzt, was jährlich 2'5 Millionen Metercentner
abwirft. Die Kartoffelernte ist auf sandigem Hügelboden vortrefflich und trägt den
Landwirthen mehr als selbst der Weizen; Hanptmarkt dafür ist Niederösterreich.
Die Wiesen machen 8 61, die Weiden 7 84 Procent des ganzen Gebiets aus.
Röhricht uud uufruchtbares Land sind immer noch 9 47 Procent, doch ist der Rohrhandel
einträglich und besonders in harten Wintern tummeln sich Hunderte auf den gefrorenen
Sümpfeu des Hansäg, um Rohr zu schneiden.
Der Viehzucht nach gehört das Ödenbnrger Comitat zu den ersten des Landes, sie
hat besonders in der Neuzeit eiuen großen Aufschwung genommen. Die Rindviehzucht
hat sich in zwei Richtungen entwickelt: für Zng- und Mastvieh. Die Mästerei steht in
enger Verbindung mit der Zuckerindustrie. Die neuerdings aufgestellten Stierzuchtstationen
sind der Viehzucht sehr förderlich. Solche gibt es jetzt fünf: auf der Puszta Szil, iu
Pötschiug (Peeseuyed), Kapuvär, Csernelhäza und Sägh; eine sechste wird in Györö
eingerichtet. Die letzten zehn Jahre haben auch die Molkerei und Butterfabrikation in die
Höhe gebracht. Der Viehhandel nimmt von Jahr zn Jahr zu.
Zur Hebung der Pferdezucht gibt es eine gemeinsame Fohlenweide uud geregelte
Pferderennen für Laudwirthe in Groß-Ziukeudorf (Nagy-Czeuk). Es wird ausschließlich
das leichte ungarische Pferd gezüchtet. Die früher vernachlässigte Schweinezucht nimmt
jetzt anch zu, wogegen die Schafzucht Jahr für Jahr zurückgeht. Die Geflügelzucht ist, wie
der Eierhandel, Dank der Nähe Wiens, sehr lohnend. Die männliche Bevölkerung mehrerer
Gemeinden handelt das ganze Jahr nnr mit diesen beiden Artikeln.
Auf industriellem Gebiete ist zunächst die Zuckerfabrikation zu erwähnen mit fünf
großen Fabriken: in Groß-Ziukeudorf, Wichs (Bük), Hierm (Fülßerfalva), Siegendorf
(Czinfalva) nnd Petöhäza. Der Zucker wird meist ausgeführt. Auch die Artikel der Ödeu-
burger Zucker-, Chocolade- uud Drageefabrik siud im Auslande gesucht; die Ödeuburger
Malzfabrik arbeitet zunächst nach der Schweiz. Dampfmühlen waren Ende 1894 schon
20 in Thätigkeit. Auf dem Gebiete der Textilindustrie ist vor Allem die Seidenfabrik zu
Wimpaffing (Vimpaez) zn erwähnen; die Jutefabrik und Spinnerei zu Neufeld (Lajta-
Ujfalu) ist die größte derartige Anlage in Ungarn; die Ödenbnrger Blaufärbereien sind fast
100 Jahre alt und stehen auf eiuer sehr hoheu Stufe der Export- uud Concnrrenzfähigkeit.
Die einst blühende Ödenbnrgcr Tuchfabrikation ist nur uoch durch eine Fabrik vertreten.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch