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Sein Boden ist größtentheils flach; im nordwestlichen Theile, der die nördliche und
östliche Ufergegend des Neusiedler Sees enthält, ist eine Strecke von den letzten Aus-
läufern des Leithagebirges bedeckt, die jedoch bald zu Hügeln abschwellen und sich in die
Ebene verlaufen. Außer dieser Hügelgegend und dem bei Kitsee (Köpcseny) befindlichen
Berge ist das ganze Gebiet eine im Allgemeinen fruchtbare, doch holzarme Ebene, welche
Wien Jahrhunderte lang mit Weizen und Heu versorgt hat und jetzt hauptsächlich mit
Milch versieht, insofern allein von der Domäne des Erzherzogs Friedrich jährlich
5 Millionen Liter Milch nach Wien gebracht werden.
Die Zahl der Gewässer ist nicht groß, wohl aber ihre Ergiebigkeit. Voran steht
die Donau, welche die ganze nordöstliche Grenze des Comitats bespült, während die
Rabnitz der südwestlichen Grenze entlang läuft und eine bedeutende Strecke der nord-
westlichen Grenze durch den Neusiedler See gebildet wird. Das Innere des Comitats
ist von der von Nordwest zu Südost fließenden Leitha durchschnitten, deren ganzer Unter-
lauf hieher gehört. Im westlichen Theile des Comitats bedeckt der sumpfige Hansüg eine
große Fläche.
Über die Niveaugestaltung des Comitats ist noch zu bemerken, daß dessen Tiefebene
120 Meter über der Meeresfläche liegt, während das Durchschnittsniveau des Comitats
129 Meter beträgt. Das Parndorfer Plateau, dieser südöstliche Ausläufer des Leitha-
gebirges, liegt 178 Meter hoch. Diese Hochfläche ist in ihrer ganzen Ausdehnung von
sogenanntem Belvederekies bedeckt, der sich nördlich bis Edelsthal (Nemesvölgy) erstreckt.
Bei Edelsthal zieht sich am Abhang des Berges eine fleckartige gelbliche oder bräunlich-
graue, aus gröberem und sehr kalkigem Sandstein bestehende Ablagerung in westöstlicher
Richtung hin, ein Gebilde, das nicht mehr dem Leithakalk, sondern den pannonischen
Schichten jüngerer Bildung angehört, welche außer in Edelsthal und Umgebung noch in
dem Gebiete zwischen Potz-Neusiedl, Neusiedl am See, Halbthurm (Föltorony), Nickelsdorf
und Zurudorf vorkommt. Bei Neusiedl wurde 1865 in einer Tiefe von sieben Klafter eine
kleine lignitartige Kohlenschichte von recht guter Qualität gefunden, die wahrscheinlich mit
dem Lignit von Neufeld (Ujfalu) identisch und als dessen Fortsetzung zu betrachten ist.
Die diluvialen Bildungen bestehen aus Sand, thonigem Sand, Löß und Kies, welche
Bildung von Weiden und Nickelsdorf einerseits bis Podersdorf, Jllmitz, Pamhagen
und St. Johann reicht, andrerseits die Gemarkungen von Zanig (Szolnok) und Szent-
Miklös durchzieht.
Der andere, kleinere Theil des Diluviums nimmt den Raum zwischen Kittsee,
Pama (Körtvilyes) und Pallersdors ein. Der Löß macht sich besonders an den Rändern
der Hochebene bemerklich und füllt die Vertiefungen aus. In Nickelsdorf ist er mehrere
Meter stark; hier wurden auch die Knochenreste eines Rhinoceros gefunden.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch