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Kroate sind in Wien ziemlich bekannte Figuren, sie sind die nach dem unbebauten Heide-
boden benannten Heidebauern (Hadbaueru), welche geringschätzige Benennung jedoch durch
ihre Wohlhabenheit und Intelligenz nicht gerechtfertigt wird. Umsoweniger als, seitdem im
Verlauf der Zeitstürme der niedere magyarische Adel im Comitate untergegangen ist, an
seiner Stelle die jetzige landwirthschastliche Bevölkerung herrscht, neben der nur große
Domänen und kleine Häusler vorkommen, so daß der Mittelstand und Kleingrundbesitz
sozusagen bloß durch dieses wohlhabende Völkchen vertreten erscheint. Das gebundene
Grundeigenthum nimmt im Comitate einen großen Raum ein. Die Fideicommisse allein
machen 20 89 Procent des Bodens aus. Es fallen nämlich von 351.656 Joch Grund-
fläche 73.340 Joch auf Fideicommisse, darunter 24.534 Joch Ackerland. Das älteste
Fideicommiß in Ungarn, daH Leonhard Karl Harrach'sche, wurde in diesem Comitat 1628
errichtet; 1695 folgte das fürstlich Paul Esterhäzy'sche; zuletzt errichtete 1878 Gräfin
Heinrich Zichy, geborene Baronesse Irene Meskö, zu Gunsten des Grafen Jakob Zichy
das Ragendorfer (Rajkaer) Fideicommiß. Inhaber des größten Fideicommiffes ist jedoch
Erzherzog Friedrich, dessen Herrschaft in 13 Bezirke mit 26 Meierhöfen getheilt ist und
35.991 Joch, davon 43 7 Procent Ackerland, umfaßt. Allein auch der Besitz der Gemeinden
und der Kleingrundbesitzer ist nicht gering; jene haben 26.838 Joch, also 7 64 Proceut
des Comitatsgebiets iune, diese 22.632 Joch, also 6 45 Procent. Doch ist dabei zu
bemerken, daß 63 Procent des Gemeindebesitzes nicht der Grundsteuer unterliegen und
59 58 Procent des Compossessorates Hutweide sind.
Im Allgemeinen ist die Haupterwerbsquelle des Kleiugruudbesitzers der Getreide-
bau. Im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts spielen Weizen und Gerste die Hauptrolle;
letztere ist theilweise auch zu Brauzwecken geeignet und die Jllmitzer Sorte hat auch bereits
im Alföld Verbreitung gefunden. Mais und Roggen werden gleichermaßen gebaut,
während auf die Knollen- und Wurzelgewächse weniger Gewicht gelegt wird. Der Betrieb
ist im Allgemeinen mnstergiltig. Der Kleinbauer im Wieselburger Comitat hat zuerst
die Säemaschine aufgegriffen und die Breitsaat kommt kaum mehr vor. Hier wurden
im Genossenschaftswege die ersten Dampfdreschmaschinen angeschafft und die ersten
besseren Reutern des Landes constrnirt. Auch Rebencultur ist vorhanden, doch gedeiht
sie nicht mehr wie einst und beschränkt sich gegenwärtig auf 3.675 Joch. Den meisten
Wein haben Gols (Gälos), Goys (Nynlas), Nensiedl am See (Nezsider), Weiden
(Vedeny), Sasony (Winden) und Mönchhof (Barätfalu). Meist ist es Weißwein, doch
keltern Winden und Weiden auch Dessertweine. Nensiedl und Winden haben auch eine
starke Ausfuhr von Trauben, besonders nach dem Auslande. Die großen Weingärten
der Uugarisch-Alteuburger Domäne in der Nähe des Neusiedler Sees lieferten den einst
zu gutem Ruf gelangten „Goyser Seewein".
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch