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Unweit davon steht das stattliche Comitatshaus, welches auch das bemerkenswerthe Musenin
des 1884 gegründeten historisch archäologischen Vereins des Wieselburger Comitates
enthält. In der Hauptstraße oder, wie man scherzhaft sagt, auf der „A—B-Linie"
erblickt man, dem herrschaftlichen Schlosse benachbart, das Ordenshaus, die Kapelle und
das vierclassige Gymnasium der Piaristen. Neben dem Ordenshause steht das Rathhaus,
das einen schönen großen Saal enthält. Gegenüber erhebt sich das große zweistöckige
Gebäude der Sparkasse des Wieselburger Comitats, eines Instituts von sehr lebhaftem
Verkehr, außer dem noch in Nensiedl, Frauenkirchen, Wieselburg uud seit kurzem auch
in St. Johann (Moson-Azent Jänos) Sparcassen bestehen. Auch hübsche einstöckige
Privathäuser sieht man, besonders an der Hauptstraße. An dieser bemerkt man noch
ein altvaterisches, einstöckiges Häuschen, in welchem Nikolaus Lenau (Niembsch von
Strehlenan) kurze Zeit gewohnthat; er hatte sich im October 1822 als außerordentlicher
Hörer am landwirthschastlichen Institut einschreiben lassen, während seine Mutter, die
sich von ihm nicht trennen konnte, in Wieselburg Aufenthalt nahm. Hier mögen in
der Seele des jungen Dichters die „Heidebilder" entstanden sein; damals schrieb er seine
Gedichte „Der Jüngling" und „Die Göttin des Glücks", die er einst einer ländlichen
Festgesellschaft auf der Halbinsel Bordacs vortrug, was zu einer sehr verstimmenden
Episode Anlaß gab. Schon im Frühling 1823 ging Lenau von der Anstalt ab, verzichtete
zugleich auf die landwirthfchaftliche Laufbahn und ging nach Wien, um fortan ganz der
Literatur zu leben.
Eine Sehenswürdigkeit Ungarisch-Altenbnrgs ist der große erzherzogliche Park am
Leitha-User, der beliebteste Vergnügungsort der Stadt, wo im Schatten mächtiger Platanen
die akademische Jugend ihre Sommerbelustigungen und der athletische Club seine Wett-
kämpfe veranstaltet. Jenseits der Sommer-Restauration liegt der botanische Garten der
Anstalt und südlich davon die herrschaftliche Meierei u. A. mit einem großen, allen
modernen Anforderungen entsprechenden Stall für 20L> Kühe.
Unweit von Altenburg setzt mau mittelst Fährbootes über die kleine Donau und
gelangt nach Gahling (Kalnok), dem vielbesuchten Wallfahrtsorte der kleinen Schütt, mit
753 deutschen und magyarischen Einwohnern. Einige hundert Schritte unterhalb der
Fähre mündet die Leitha in die Donau, etliche primitive Schiffsmühlen ankern daselbst.
Nordwestlich vom Schloßpark erreicht man, an den städtischen Meierhöfen und den
baumumpflanzten Tafeln des erzherzoglichen Prädinms vorbei, eine Schiffbrücke, die zu
der magyarischen Gemeinde Haläßi (Halaßen), mit 1779 Einwohnern, führt; in der
dortigen Kirche befinden sich ein Eiborinm aus dem XIV. und ein Kelch aus dem XVI l.
Jahrhundert. Haläßi nnd Gahling hatten früher beide einen gewissen Ruf wegen ihrer
Obstzucht.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch