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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 445 -
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445 Unweit davon steht das stattliche Comitatshaus, welches auch das bemerkenswerthe Musenin des 1884 gegründeten historisch archäologischen Vereins des Wieselburger Comitates enthält. In der Hauptstraße oder, wie man scherzhaft sagt, auf der „A—B-Linie" erblickt man, dem herrschaftlichen Schlosse benachbart, das Ordenshaus, die Kapelle und das vierclassige Gymnasium der Piaristen. Neben dem Ordenshause steht das Rathhaus, das einen schönen großen Saal enthält. Gegenüber erhebt sich das große zweistöckige Gebäude der Sparkasse des Wieselburger Comitats, eines Instituts von sehr lebhaftem Verkehr, außer dem noch in Nensiedl, Frauenkirchen, Wieselburg uud seit kurzem auch in St. Johann (Moson-Azent Jänos) Sparcassen bestehen. Auch hübsche einstöckige Privathäuser sieht man, besonders an der Hauptstraße. An dieser bemerkt man noch ein altvaterisches, einstöckiges Häuschen, in welchem Nikolaus Lenau (Niembsch von Strehlenan) kurze Zeit gewohnthat; er hatte sich im October 1822 als außerordentlicher Hörer am landwirthschastlichen Institut einschreiben lassen, während seine Mutter, die sich von ihm nicht trennen konnte, in Wieselburg Aufenthalt nahm. Hier mögen in der Seele des jungen Dichters die „Heidebilder" entstanden sein; damals schrieb er seine Gedichte „Der Jüngling" und „Die Göttin des Glücks", die er einst einer ländlichen Festgesellschaft auf der Halbinsel Bordacs vortrug, was zu einer sehr verstimmenden Episode Anlaß gab. Schon im Frühling 1823 ging Lenau von der Anstalt ab, verzichtete zugleich auf die landwirthfchaftliche Laufbahn und ging nach Wien, um fortan ganz der Literatur zu leben. Eine Sehenswürdigkeit Ungarisch-Altenbnrgs ist der große erzherzogliche Park am Leitha-User, der beliebteste Vergnügungsort der Stadt, wo im Schatten mächtiger Platanen die akademische Jugend ihre Sommerbelustigungen und der athletische Club seine Wett- kämpfe veranstaltet. Jenseits der Sommer-Restauration liegt der botanische Garten der Anstalt und südlich davon die herrschaftliche Meierei u. A. mit einem großen, allen modernen Anforderungen entsprechenden Stall für 20L> Kühe. Unweit von Altenburg setzt mau mittelst Fährbootes über die kleine Donau und gelangt nach Gahling (Kalnok), dem vielbesuchten Wallfahrtsorte der kleinen Schütt, mit 753 deutschen und magyarischen Einwohnern. Einige hundert Schritte unterhalb der Fähre mündet die Leitha in die Donau, etliche primitive Schiffsmühlen ankern daselbst. Nordwestlich vom Schloßpark erreicht man, an den städtischen Meierhöfen und den baumumpflanzten Tafeln des erzherzoglichen Prädinms vorbei, eine Schiffbrücke, die zu der magyarischen Gemeinde Haläßi (Halaßen), mit 1779 Einwohnern, führt; in der dortigen Kirche befinden sich ein Eiborinm aus dem XIV. und ein Kelch aus dem XVI l. Jahrhundert. Haläßi nnd Gahling hatten früher beide einen gewissen Ruf wegen ihrer Obstzucht.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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