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ausgestorben war, an den Grafen Karl Hederväry-Khnen, den gegenwärtigen Banns von
Kroatien, übergingen.
Der Markt Hedervär bekam 1794 die Befuguiß vier Märkte abzuhalten. Seine
Sehenswürdigkeit ist das Schloß mit prächtigem Park und darin dem berühmten Kout-
Banm, in dessen Schatten nach der Überlieferung Stefan Kont seine Zusammenkünfte mit
den Unzufriedene» gehalten haben soll. Das Schloß brannte vor einigen Jahren ab und
verlor dabei einen Theil seiner reichen Sammlungen.
Auf der Ebene südlich der Donau, im Osten der Szent-Märtoner Hügelkette, sind
Pazmand, Mezö-Eörs und Per zu erwähnen. Päzmänd gehört den Szeghy, einem
Zweige des Geschlechts Päzmän; die Herren von Eörs waren einst die Eörsy. Eörs hatte
auch ein Schloß und ein Kloster, die jedoch spurlos verschwunden sind. Pör ist das reichste
Dorf im Pnßtaer Bezirk des Comitats.
Außer dem Pnßtaer Bezirk bilden noch Toköz, Szigetköz (Kl. Schütt), Csilizköz
und der Sokoröaljaer Bezirk das Gebiet des Comitats, das zu den am dichtesten bevölkerten
Theilen Ungarns gehört und dessen Bevölkerung, einige Hundert Deutsch-Ungarn abge-
rechnet, in Sprache, Sitten und Lebensweise rein magyarisch ist.
Das Volk ist der äußeren Erscheinung nach angenehm, sein Blick ist offen wie die
Gegend, die es bewohut; Mäuner und Frauen sind oft auffallend schöne Gestalten. Die
stattlichsten Burschen hat das Hügelland auszuweisen. Die Tracht hat magyarischen
Schnitt und ist sehr hübsch. Sie tragen Dolmäny, Weste und Hosen aus Tuch oder
leichterem Stoff, bei kaltem Wetter die Ärmeren den Szür, die Wohlhabenden die loh-
braune Buuda. Die Kopfbedeckung ist im Sommer der Hut, im Winter die Kucsma. Auch
die weibliche Tracht ist magyarisch, doch ahmen in den Dörfern um Raab so Manche die
städtische Tracht nach. Ferner ist das Volk anständig, intelligent und sinnreich, religiöse
Unduldsamkeit kommt nicht vor. Vom Aberglauben finden sich nur Spuren; so wird die
Quacksalberei namentlich mittelst steinzeitlicher Geräthe betrieben, die man für Donner-
keile hält; man glaubt, sie bohren sich beim Blitzschlag sieben Klafter tief in den Boden
nnd steigen dann alljährlich um eine Klafter höher, bis sie im siebenten Jahre an
die Oberfläche gelangen. Mit solchen Steinen pflegt der Landwirth seinem Vieh den
kranken Körpertheil zu streichen. Und da die jungen Mädchen auch hier neugierig sind,
fehlt es natürlich nicht an Andreastags-Fasten, Kartenaufschlageu und Bleigießen zur
Weihnachtszeit.
Die Gemüthsart des Volkes ist heiter. Es liebt Hochzeiten, Kirchweihseste, Sautänze,
Namenstagsessen und theilt den Bissen gern mit Anderen. Seine Lustigkeit verläßt
es selbst in der Zeit der schweren Arbeit nicht. Die Hauptzweige dieser Arbeit siud
Ackerbau und Weinban, was in der Natur des Bodens begründet ist. Die Anfänge
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch