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Die im Nebensaale untergebrachte Kupferstichsammlung besitzt eine Fülle von alten
und neuen Handzeichnungen, Stichen und Studien. Von Dürer'schen Stichen finden sich
die Blätter der großen und kleinen Passion, die Apokalypse, Adam und Eva, Hubertus und
des Meisters Selbstbildniß. Neben Blättern von Lncas von Leyden und Crauach sieht
man Rembraudts Kreuzabnahme und Leee Homo. Sehr interessant sind auch die Stiche
Naphael Morghens nach den Stanzen Rasiaels und die heiligen drei Könige Van Eycks.
Die dritte Abtheilung des erzbischöflichen Museums ist die Bibliothek, die auf eisernen
Gestellen vierzigtausend Bände vereinigt, darunter 150 Uniea und eine große Anzahl
von Codexeu und Jncnnabeln. Neben der Bibliothek befindet sich das Primatial-Archiv.
Die Sammlung von Prachtwerken ist eine besondere Gruppe des erzbischöflichen
Museums. Sie enthält eine große Anzahl von kostbar ausgestatteten und glänzend
illnstrirten Büchern, auch von Bilderwerken, die von fürstlichen Höfen herausgegeben
wurden und niemals in den Buchhandel gelangten, Publikationen über weltberühmte
Bildergallerien, Künstler, Museen und Kunstschätze.
Die Antiquitätensammlung beschränkt sich vornehmlich auf kirchliche Kunstwerke
des Christenthums (mit einer Sammlung mittelalterlicher Gewebe), doch finden sich in ihr
auch zahlreiche vorgeschichtliche, römische, altchristliche und altungarische Gegenstände.
Das Raritäteucabiuet ist der letzte Abschnitt des erzbischöflichen Museums. Hieher
gehören die werthvolle Münzensammlung, dann allerlei kunstgewerbliche Arbeiten, die
Sammlung von Wachsstatuen des Kölner Domherrn Hardy, etwa 50 Typenstudien, über
die sich zu Anfang dieses Jahrhunderts selbst Goethe mit großer Anerkennung geäußert hat.
Die pannonischen Steinsärge, Grabsteine, Grenzsteine, die Bruchstücke altchristlicher
Plastik, byzantinischen und romanischen Stils, von den Bauwerken des alten Gran und
noch andere Alterthümer von Stein sind im Umgange des Primatialhofes untergebracht.
Die Bibliothek des erzbischöflichen Museums wird an Größe nur durch die
Bibliothek der Erzkathedrale übertroffen. Diese bedeutende Büchersammlung wurde durch
Ladislaus Kößeghy, Dompropst von Gran, im Jahre 1641 gegründet. Erzbischos
Georg Lippay vermehrte sie um 1680 Bände aus der berühmten Fngger'schen Bibliothek.
Sie hat ihr eigenes Gebäude, das im Jahre 1852 errichtet wurde und drei große Säle, nebst
zwölf Zimmern enthält. Die Bibliothek der Erzkathedrale ist gegenwärtig 70.000 Bände
stark. Ihren kostbarsten Schatz bildet der Codex der dem Ladislaus Bätori zu-
geschriebenen Bibelübersetzung vom Jahre 1456. Sie besitzt auch anderthalbtausend
Handschristeu, die bis ins XV. Jahrhundert zurückreichen.
Erwähnung verdient noch die Bibliothek der Stadt Gran, 3000 Bände stark, die
Stiftung Josef Helischers, eines gelehrten Senators der Stadt, der in den Zwanziger-
Jahren die erste Monographie über Gran, in lateinischer Sprache, verfaßt hat.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch