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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
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521 Unter den alten Gebäuden der Stadt ist das bemerkenswertheste das Palais des Kurutzeugeuerals Johann Bottyan, das heutige Nathhans. Bottyan war 1640 zu Gran geboren. Ein in der städtischen Gemarkung befindlicher Teich heißt noch jetzt „Bottyans- Teich"; ebenso heißt da ein Acker „Bottyäns-Acker", und ein Brachfeld „Bottyäns Brach- feld". All das gehörte einst zn den Besitzungen des schneidigen Kurutzenführers. Er war von bäuerlichem Ursprung und wurde erst Klosterdiener, dann ein tapferer Soldat in der Beste Gran, von wo er einst infolge einer Wette in Bauernkleidern nach Neuhäusel (Ersekujvär) hinüberging und dort bei helllichtem Tage am Hauptplatze vom großen Minaret der Moschee den laut betenden Derwisch herunterstürzte. Hierauf kehrte er wohl- behalten nach Gran zurück. Leopold I. ernannte ihn zum Obersten und Inhaber eines Hnsarenregimeuts. Zu dieser Zeit baute er sein Graner Palais. Der Graner Festungs- kommandant Kuckländer (das heißt Graf Franz Montecuecoli) zog jedoch »sub titulc» inli- äelilatis« seine Besitzungen ein. Als Bottyan seiner Haft in Nyerges-Ujfalu wieder ledig war, schloß er sich den Scharen Räköezy's an. Er starb, 70Jahre alt, im Jahre 1709. Das Palais Bottyan erwarb die Stadt von der Witwe des Festungskommandanten Kuckländer um bares Geld. Es steht auf dem Grauer Hauptplatze und ist im Barockstil erbaut, stockhoch, mit massiven Pfeilerreihen und Arkaden. Jetzt werden darin die Angelegenheiten der Stadt besorgt. An den Namen Simor knüpft sich die Gründung zweier öffentlicher Gebäude, die zu den wichtigeren der Stadt gehören, beide auf dem Sankt-Georgsfeld. Das eine, das Krankenhaus des Rothen Kreuzes, wurde 1885 erbaut, jedoch auf so schlechtem Grunde, daß im Jahre 1890 der ganze Bau nen aufgeführt werden mußte. Es ist für sechzig Kranke vollständig eingerichtet und dient in Friedenszeiten als Bürgerspital. Das andere Gebäude ist das erzbischöfliche Waisenhaus, das 1890 für die Waisenmädchen der Erzdiöcese gestiftet wurde. Vierzig Zöglinge werden hier durch Nouueu erzogen, die auch eine öffentliche Volksschule für Mädchen leiten. Ein bedeutendes öffentliches Gebäude ist das 1880 erbaute Obergymuasium der Benediktiner. Am Außeuraude der Stadt befindet sich eine neue resormirte Kirche; die Synagoge steht im St. Thomas-Stadttheil; die einst bedeutende griechisch-orientalische Kirchen- gemeinde ist fast ansgestorben und ihre noch bestehende Kirche sieht kaum mehr einen Besucher. Einst waren auch die Graner Weine hochberühmt. Sie gehörten zum Neßmelyer Weinbezirk und wurden ebenso gern gekauft wie die Grauer Weintrauben durch die Einwohner von Nagymaros, welche sie, mit ihrem eigenen Erzeugniß vermischt, auf den nordwestlichen und nordöstlichenMärkteuEuropa's verkauften. Seitdem aber diePhylloxera in Gran über 1500 Joch Weingärten verwüstet hat, ist es mit dem Weinlesen für längere Zeit vorbei; erst der Neuwuchs der auf Sandboden angelegten Weingärten wird sie wieder beleben.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Volume 16
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (4)
Volume
16
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
15.18 x 21.71 cm
Pages
616
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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