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Unter den alten Gebäuden der Stadt ist das bemerkenswertheste das Palais des
Kurutzeugeuerals Johann Bottyan, das heutige Nathhans. Bottyan war 1640 zu Gran
geboren. Ein in der städtischen Gemarkung befindlicher Teich heißt noch jetzt „Bottyans-
Teich"; ebenso heißt da ein Acker „Bottyäns-Acker", und ein Brachfeld „Bottyäns Brach-
feld". All das gehörte einst zn den Besitzungen des schneidigen Kurutzenführers. Er war
von bäuerlichem Ursprung und wurde erst Klosterdiener, dann ein tapferer Soldat in der
Beste Gran, von wo er einst infolge einer Wette in Bauernkleidern nach Neuhäusel
(Ersekujvär) hinüberging und dort bei helllichtem Tage am Hauptplatze vom großen
Minaret der Moschee den laut betenden Derwisch herunterstürzte. Hierauf kehrte er wohl-
behalten nach Gran zurück. Leopold I. ernannte ihn zum Obersten und Inhaber eines
Hnsarenregimeuts. Zu dieser Zeit baute er sein Graner Palais. Der Graner Festungs-
kommandant Kuckländer (das heißt Graf Franz Montecuecoli) zog jedoch »sub titulc» inli-
äelilatis« seine Besitzungen ein. Als Bottyan seiner Haft in Nyerges-Ujfalu wieder
ledig war, schloß er sich den Scharen Räköezy's an. Er starb, 70Jahre alt, im Jahre 1709.
Das Palais Bottyan erwarb die Stadt von der Witwe des Festungskommandanten
Kuckländer um bares Geld. Es steht auf dem Grauer Hauptplatze und ist im Barockstil
erbaut, stockhoch, mit massiven Pfeilerreihen und Arkaden. Jetzt werden darin die
Angelegenheiten der Stadt besorgt. An den Namen Simor knüpft sich die Gründung
zweier öffentlicher Gebäude, die zu den wichtigeren der Stadt gehören, beide auf dem
Sankt-Georgsfeld. Das eine, das Krankenhaus des Rothen Kreuzes, wurde 1885 erbaut,
jedoch auf so schlechtem Grunde, daß im Jahre 1890 der ganze Bau nen aufgeführt
werden mußte. Es ist für sechzig Kranke vollständig eingerichtet und dient in Friedenszeiten
als Bürgerspital. Das andere Gebäude ist das erzbischöfliche Waisenhaus, das 1890 für
die Waisenmädchen der Erzdiöcese gestiftet wurde. Vierzig Zöglinge werden hier durch
Nouueu erzogen, die auch eine öffentliche Volksschule für Mädchen leiten. Ein bedeutendes
öffentliches Gebäude ist das 1880 erbaute Obergymuasium der Benediktiner.
Am Außeuraude der Stadt befindet sich eine neue resormirte Kirche; die Synagoge
steht im St. Thomas-Stadttheil; die einst bedeutende griechisch-orientalische Kirchen-
gemeinde ist fast ansgestorben und ihre noch bestehende Kirche sieht kaum mehr einen Besucher.
Einst waren auch die Graner Weine hochberühmt. Sie gehörten zum Neßmelyer
Weinbezirk und wurden ebenso gern gekauft wie die Grauer Weintrauben durch die
Einwohner von Nagymaros, welche sie, mit ihrem eigenen Erzeugniß vermischt, auf den
nordwestlichen und nordöstlichenMärkteuEuropa's verkauften. Seitdem aber diePhylloxera
in Gran über 1500 Joch Weingärten verwüstet hat, ist es mit dem Weinlesen für
längere Zeit vorbei; erst der Neuwuchs der auf Sandboden angelegten Weingärten wird sie
wieder beleben.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch