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zugehörig vorkommen, waren früher lauter schöne Gemeinden. Noch heute sieht man die
Trümmer ihrer Häuser und Kirchen und kann aus diesen einen Schluß auf ihren hohen
Entwicklungsgrad ziehen; der lange Zeitraum voll Kampf und Leiden zerstörte ihre
Häuser und Kirchen, ja er hob ihre Religionsverbände auf, so daß auf dem ganzen
Comitatsgebiete nur drei katholische Pfarren bestehen blieben; für viele Gemeinden des
so gründlich verheerten Comitats gab es überhaupt keine Auferstehung mehr.
Das Comitat selbst wurde zu Ende des XVlI. Jahrhunderts neu errichtet, doch
hielt es seine Versammlungen nicht auf dem eigenen Gebiete, sondern in Raab ab, und
bei der ersten neueren Session, die auf dem Comitatsgebiete selbst, und zwar in Stuhl-
weißenburg im Jahre 1692, stattfand, waren blos 52 stimmfähige Edelleute anwesend.
Auf den so arg verwüsteten Trümmern der alten Herrlichkeit reorganisirte sich das
Comitat, stellten sich seine Dörfer und Städte wieder her. Nur daß die Erneuerung in
dieser neueren Epoche mit weit größeren Schwierigkeiten verknüpft war als in jenen
großen alten Zeiten, wo Glanz und Macht des Reiches sich hier als im Mittelpunkte
des Ganzen vereinten. Das Comitat wurde mit fremden Elementen besiedelt und diese
Bevölkerung führte das große Werk der Nenschöpsnng aus eigener Kraft und mit
eigenem Fleiße durch, bis die hohe Stufe erreicht war, auf der sich Wohlstand und Cultur
heutigen Tages befinden.
Bei der Wiederherstellung wurde das Comitat seiner ganzen Länge nach in der
Richtung von Norden nach Süden in drei Bezirke eingetheilt und diese Gliederung blieb
bis in die neueste Zeit aufrecht. Gegenwärtig ist es in fünf Verwaltungsbezirke und
hinsichtlich der Rechtspflege in fünf bezirksgerichtliche Districte getheilt, die dem Stuhl-
weißenbnrger Gerichtshofe zugehöreu.
In kirchlicher Hinsicht gehören seine 62 katholischen Pfarren zu dem durch Maria
Theresia gestifteten Bisthnm Stuhlweißenburg, dessen Jurisdiktion sich auch auf die
meisten Gemeinden der jenseits der Donau gelegenen Theile des Comitats Pest-Pilis-
Solt-Kis-Kuu erstreckt. Auch das reich dotirte Domkapitel zu Stuhlweißenburg wurde
durch die Königin Maria Theresia wieder errichtet. Die evangelischen Gemeinden A. C.
gehören zu dem Kirchendistricte jenseits der Donau, von den evangelisch resormirten etwa
die Hälfte zum Kirchendistricte jenseits der Donau, die andere Hälfte zum Douaudistriete,
die griechisch-nichtuuirteu Gemeinden aber zum Ofner Bisthnm. Außerdem sind eine
unitarische Kirche und 11 jüdische Religionsgemeinden vorhanden.
Und fast alle diese Kirchen erhalten auch Elementarschulen, so daß das Weißenburger
Comitat hinsichtlich des Volksnnterrichtes zu den fortgeschritteneren Comitaten gehört;
die Zahl der confessionellen, commuualen und staatlichen Volksschulen beträgt 250, die
ihrer Lehrer etwa 400. Die Amtssprache des Staates ist auch uuter der Bevölkerung
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch