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aber durch eine elegante Fa^ade hervorragende Rathhaus, schließlich die neue, unter
Maria Theresia erbaute und nach dem heiligen Stefan benannte Domkirche, wo der Schädel
des großen Königs aufbewahrt wird. Die übrigen Kirchen sind einfach und enthalten auch
keine Kunstwerke, mit Ausnahme der Seminarkirche, wo sich ein Fresko von Maulpertsch,
„Christus am Kreuze", befindet. Die übrigen öffentlichen Gebäude entsprechen wohl ihrem
Zwecke, sind aber einfache Nutzbauten ohne künstlerische Ansprüche.
Als Culturanstalten besitzt die Stadt außer den gut gelegenen und eingerichteten
Elementarschulen jedes Stadttheils eine Industrieschule, eine Handelsakademie, eine
Staats-Oberrealschnle und besondere Zeichenschule, das durch den Großpropst Franz
Farkas von Kirälyhegy gestiftete und von Nonnen des heiligen Vincenz von Paula
geleitete Frauenerziehungsinstitut, ein katholisches Priesterseminar und ein von dem
Cistercienserorden besorgtes, gut ausgestattetes Gymnasium. An diesem lehrte eine Zeit
lang Beuedikt Viräg, der «feurige Erwecker der Seele der Nation", hier stndirte der
begeisterte ungarische Gelehrte Stefan Horväth und hier lernte zu Anfang unseres Jahr-
hunderts auch der große ungarische Dichter Michael Vörösmarty. Humanitäre Institute
sind das Waisenhaus, dessen Fonds durch den in Stuhlweißenburg geborenen Primas
Johann Simor mittelst einer Spende von ldO.OOOGulden vergrößert wurde,das Comitats-
Krankenhans und das mit einer Versorguugsaustalt und einem Armenhause verbundene
städtische Krankenhaus, eine der ältesten Anstalten dieser Art. Ferner sind verschiedene
wohlthätige Vereine vorhanden, desgleichen gesellige und literarische Verbindungen,
die ein höheres Niveau behaupten, so insbesondere der historisch-archäologische Verein
für das Weißenburger Comitat und die Stadt Stuhlweißenburg, der ein eigenes
Museum besitzt, und der Vörösmarty-Club, der sich die Pflege der ungarischen literarischen
Interessen zur Aufgabe gemacht hat.
Unter den Bibliotheken ist blos die bischöfliche erwähnenswerth, deren eigentlicher
Begründer der Bischof Johann Paner war. Dieser gelehrte Mann besaß eine Bücher-
sammlung, die, besonders reich an historischen Werken und Geschichtsquellen, auch zahlreiche
und seltene Jncuuabelu enthielt; sie bildet jetzt den werthvollsten Theil der bischöflichen
Bibliothek. Die Archive, sowohl das des Comitats als das städtische, enthalten größteu-
theils nur Urkunden aus den drei letzten Jahrhunderten. Von den vielen werthvollen alten
Schätzen ist nichts erhalten, ja selbst von dem, was namentlich im Stadtarchiv von den
bösen Zeitläuften verschont geblieben war, nämlich von den auf die Stadt bezüglichen
älteren Urkunden, ist feit der traurigen Epoche von 1848 bis 1861 nichts mehr vorhanden.
Unter den Körperschaften von amtlichem Charakter sind die Advokatenkammer, das
Gewerbegremium und der laudwirthschaftliche Verein, endlich unter den öffentlichen
Anstalten die neuerrichtete Besserungsanstalt zu erwähnen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch