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seine größte Rolle, denn in seinem Schatten wurde die große Särreter Schlacht (1601)
geschlagen, die mit der Niederlage der Türken schloß und zur Wiedereinnahme Stuhl-
weißenbnrgs führte. Als dann (1602) Stuhlweißenburg wieder an die Türken kam, theilte
Csökakö dieses Schicksal und blieb türkisch bis zum Jahre 1686, das mit der Wieder-
eroberung Ofens der Türkenherrschaft in diesem Landestheile ein Ende machte. Ein Pascha
residirte in der Burg nur einmal, und zwar der Stuhlweißenbnrger Pascha Saben Tscheri;
übrigens hatte es zu Anfang des XVII. Jahrhunderts eine Befatznng von 28 bis 50 Mann
unter dem Befehl eines Disdar (Burghauptmanns). Nach seiner Rückeroberung diente
es noch bis zum Anfang des XVIII. Jahrhunderts als Verwahrungsort für einige türkis3)e
Gefangene, hatte aber nicht mehr den Charakter einer Burg. Keine Belagerung, sondern
die Angriffe der Zeit brachen die Beste, und als sie erst zu verfallen begonnen, hatten ihre
Mauern von den Schatzgräbern noch mehr zu leiden als von der Zeit. Zu Anfang dieses
Jahrhunderts waren drei Höfe und die Eintheilnng der Burg noch gut zu unterscheiden;
seitdem ist der Berchfried gestürzt, die Wälle gehen immer mehr ein, und die übereinander
gekollerten Trümmer gestatten kaum mehr sich ein Bild von dem Ganzen aufzubauen.
An den Fuß der Burg schmiegt sich ein schöner Obstgarten, in dem das sogenannte
Vöröshäz (rothe Haus) steht — ein einfaches, festes Gebäude mit einigen Zimmern und
einer herrlichen Aussicht. Es gehörte einst den Jesuiten, jetzt ist es Graf Lamberg'sches
Eigenthum. Die malerische Lage der Burg lockt zahlreiche Ausflügler herbei und längs
des hinanführenden Pfades sind die schwarz bemoosten Felswände mit Anfangsbuchstaben
von Namen solcher Vergnügungspilger bedeckt. Unterhalb der Burg liegt vom Vertes bis
zum Bakonygebirge ein breites Thal hingedehnt mit reichen Äckern, dichtbelaubten
Wäldern und grünem Gefilde, aus dem das Wassernetz des Särviz emporblinkt. Im
Süden erscheinen auf flachem Lande Stuhlweißenburg mit seinen Thürmen und weiterhin
aufgereiht alle die hübschen Dörfer mit ihren Kirchen und Schlössern und den diese
nmgriinenden Parks; im Westen heben sich die waldigen Kuppen des Bakony, durch
sanfte Thäler geschieden, während nördlich der Marktslecken Moor und das schöne Moörer
Thal sich dem Blick aufthut, weithin bis an den Punkt, wo die ausstrahlenden Hügel-
wellen des Vertes und des Bakony sich umarmen.
Der Burg zu Füßeu und weiterhin zwischen kühn aufragenden Bergen führt ein
schmales Thal in den Vertes hinein; es birgt zwei Echos, welche mehrere Silben wieder-
geben, das eine mit klangvoller, das andere mit verhanchender Stimme. Dieses Thal
windet sich in nördlicher Richtung hinan und gestattet den höchsten Pnnkt des Vertes zu
erreichen, wo eine Anssichtswarte den Blick freigibt über die weithingespannte herrliche
Landschaft, von der Donau unterhalb Budapests herwärts und über den Bakony hin bis
Pannonhalma.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch