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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
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558 die Ackerbauer zogen großen Nutzen aus dem Weinerträgniß und auch der Gewerbestand fühlte sich gefördert, nicht nur durch den aus dem allgemeinen Wohlstand ihm erwachsenden Gewinn, sondern anch durch seine eigenen Weingärten oder den nebenbei betriebenen Weinhandel. Gegenwärtig wendet die fleißige Bevölkerung der Stadt alles an, um ihre Weingärten wieder herzustellen; sie kauft um theueres Geld die benachbarten Sandgebiete an, um sich durch deren BePflanzung das Einkommen zu sichern, das sie bisher aus dem Weine zog, und nm auf diesem Wege ihre unvergleichliche Fachkundigkeit im Weinbau zu bethätigen. Moor gehört zu den seit uralten Zeiten bewohnten Orten. Unter den Ärpädischen Königen gehörte es sammt seiner Mauty durch Douation Ladislaus des Heiligen zum Besitz des Erlauer Bisthnms, während die jetzt ihm zugehörigen Pußten, welche vordem besondere Gemeinden bildeten, znr Begüterung von Personen des königlichen Hofhalts dienten. König Karl Robert entschädigte das Erlaner Bisthnm durch die Gemeinde Gornld im Heveser Comitat, nebst der Hidvöger Manth, während er Moor und die Nachbargemeinden, sammt der Gemeinde Särkäny an der Komorner und der Gemeinde Beleg an der Veßprömer Grenze, den Burggütern von Csökakö angliederte. Gegenwärtig bildet Moor mit dem früher selbständigen Bajal eine Gemeinde uud zählt 9500 Einwohner. Es ist Mittelpunkt des Bezirkes und Sitz der Bezirksämter und besitzt in jedem Aach zahlreiche gut ausgebildete Gewerbsleute, die eine eigene gewerb- liche Körperschaft bilden, eine Schule für gewerbliche Lehrlinge erhalten und die gewerb- lichen Bedürfnisse eines großen Umkreises befriedigen. Es hat in jedem Stadttheile Elementarschulen, sowie eine Knaben- und eine Mädchen-Bürgerschule, ferner ungarische nnd deutsche römisch-katholische, sowie evaugelisch-reformirte Kirchen, eine Synagoge, eine Sparkasse, einen Creditverband, ein Easino, mehrere Lesecirkel, einen wohlthätigen Frauenverein, einen Fenerwehrverein. Die Straßen sind wohl geordnet, doch haben blos der Markt und einige in den Markt mündende Straßen einen mehr städtischen Charakter. Der höher gelegene Theil des schönen großen Marktes ist durch das Kapuzinerkloster, der tiefer gelegene Theil durch das große, jetzt von mehreren Parteien bewohnte Kastell der Freiherren von Luzinßky, das sogenannte „Ketten-Kastell" abgeschlossen. Um den Markt her erblickt man das jetzt als Schule dienende Comitatshans, eine bedeckte Reitschule, mehrere recht hübsche Privathäuser uud im Schatten breitästiger alter Bäume das aus dem vorigen Jahrhundert stammende parkumgebene Schloß der Grafen Lamberg mit seinen ausgedehnten Nebengebäuden. Seitlich ist der Markt mit Bäumen bepflanzt, die dem Spaziergänger zngute kommen, und sein östlicher, höher gelegener Theil bildet eine hübsche Promenade. Die Grundstücke im östlichen Theile der Stadt bis zum Kapuzinerkloster waren noch zu Ansang dieses Jahrhunderts mit Wald bedeckt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Volume 16
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (4)
Volume
16
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
15.18 x 21.71 cm
Pages
616
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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